Bulle & Bär
Wer verdient am Hurrikan?

Die nächsten Monate werden spannend für die Rückversicherer. Denn die Hurrikan-Saison im Nordatlantik beginnt normalerweise Anfang Juni und kann sich bis Ende November hinziehen. Im vergangenen Jahr verlief sie katastrophal – für die Opfer und für die Versicherungsbranche.

DÜSSELDORF. Für dieses Jahr hat die zuständige US-Behörde bereits gewarnt, dass sie abermals mit einer überdurchschnittlichen Anzahl von schweren Stürmen rechnet. Nun hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass hohe Schäden der Versicherungsbranche oft sogar nutzen. Denn sie führen dazu, dass die Versicherer bei ihren Kunden – und die Rückversicherer bei den Versicherern – hohe Prämien durchsetzen können. Kein Wunder daher, dass die Rückversicherer im vergangenen Katastrophenjahr sogar Rekordgewinne erwirtschaftet haben – auch begünstigt von einer guten Börsenentwicklung.

Aber lässt sich dieser Effekt wiederholen? Brian Shea von Merrill Lynch, einer der bekanntesten Analysten für die Branche, warnt in einer neuen Studie relativ deutlich davor, Aktien oder Zinspapiere der Rückversicherer zu kaufen. Seine These lautet: Das Geschäftsmodell der Rückversicherer gerät an seine Grenze, es kann auf Dauer nicht funktionieren.

Shea geht davon aus, dass die Versicherer sich in der Vergangenheit häufig nach einer großen Katastrophe durch Prämienerhöhungen nachträglich die Deckung für ihre Verluste geholt haben. Nach seiner Einschätzung funktioniert dieses Modell aber immer weniger, weil sich die Beziehungen zwischen Versicherern und Kunden – und Rückversicherern und ihren Kunden, den anderen Versicherern – lockern. Dazu kommt, dass bei einem Aufschwung der Preise sehr schnell neue Rückversicherer, meist auf den Bermudas, gegründet werden und unbelastet von vergangenen Katastrophen in den Markt eingreifen. Diese neuen Anbieter profitieren am meisten von Katastrophen: Sie sind bei den Verlusten noch nicht dabei, nehmen aber die hohen Preise mit.

Vielleicht sieht der Merrill-Lynch-Analyst etwas zu schwarz, aber seine Warnung, sich von den hohen Gewinne der Branche nicht blenden zu lassen, ist berechtigt. Hinzu kommt: Der Aktienboom ist vorbei. Die Zinsen steigen, das führt kurzfristig zu Kursverlusten bei Anleihen, gibt allerdings mittelfristig der Branche mehr Sicherheit bei ihren Kapitalerträgen.

Die Rückversicherungsbranche wird sich verändern – je heftiger die Stürme dieses Sommers werden, desto mehr wächst der Druck. Sie wird künftig mehr Risiken direkt in Form von „Katastrophenbonds“ in den Kapitalmarkt geben – bei diesen Papieren bekommt der Anleger hohe Zinsen, verliert aber bei Katastrophen einen Teil seiner Ansprüche. Gestern hat die Swiss Re gemeldet, dass sie ein derartiges Programm aufgelegt hat. Die Bankbranche hat ähnliche Trends – etwa die Weitergabe von Kreditrisiken an die Anleger – bereits vorgelebt.

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