Bulle & Bär
Wertinvestoren kaufen jetzt wieder die großen Werte

Wenn Aktienmärkte so tief einbrechen wie in den vergangenen Wochen, dann wird einiges kräftig durcheinander geschüttelt. Nach dem Motto „die letzten werden die ersten sein“ leiten nach einer Korrektur oft ganz andere Branchen die Erholung ein als diejenigen, die zuvor die Rally angeführt haben.

DÜSSELDORF. Entsprechend widmet sich jetzt eine Reihe von Strategieberichten der großen Analysehäuser dem Thema „Sektor Rotation.“ Drei Jahre lang haben vor allem die Werte vom Börsenboom profitiert, die besonders stark mit dem Aufschwung der Weltkonjunktur verknüpft waren. Dazu gehörten Finanzwerte, Energietitel, Autohersteller, Industriegüterhersteller und die Grundstoffindustrie. Dass die Gewinner der Rally alle wieder vorne sind, wenn sich die Kurse erholen, ist unwahrscheinlich. Denn im historischen Vergleich haben nach größeren Korrekturen allenfalls 20 bis 30 Prozent der bisherigen Stars wieder die Führung übernommen.

Die Zeiten, zu denen mit den stärker von der Konjunktur abhängigen „zyklischen“ Werten schnelles Geld zu machen war, sind offenbar vorbei. Sorgen vor weiter steigenden Zinsen und einer sich abschwächenden Konjunktur bestimmen jetzt das Bild. Wenn verschreckte Anleger an die Märkte zurückkehren, dann werden sie vor allem Aktien aussuchen, die weniger vom Konjunkturzyklus abhängig sind.

Banken würden da schon mal wegfallen, weil sie besonders zinsempfindlich sind. Auch dürften Konsumenten bei einer schwächer werdenden Konjunktur mit größeren Anschaffungen vorsichtiger werden. Baumarktketten oder auch Autohersteller könnten darunter leiden.

Unter den Finanzwerten haben dagegen Versicherungen gute Chancen. Sie sind günstig bewertet – das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von Axa etwa beträgt elf, Allianz ist mit 9,6 noch preiswerter. Als neutral gilt ein KGV von etwa 15. In der Branche gibt es weiterhin Fusionsphantasien. Und: Versicherer können auch in schlechteren Zeiten mit einem steten Kapitalstrom rechnen.

Als attraktiv gelten auch Telekom-Gesellschaften. Sie sind ebenfalls günstig zu haben – die Deutsche Telekom etwa zu einem KGV von 9,6. Dazu kommen auch hier stete Einnahmen. Eine ähnliche Geschichte auch bei den Medien: Die Titel sind in der letzten Rally hinterhergehinkt, es gibt Übernahmephantasien in der Branche. Mit an der Spitze bleiben wohl die Ölgesellschaften. Sie sind angesichts der starken Gewinnsteigerungen immer noch so günstig bewertet (KGV Exxon: 10,4 ), dass eine Verlangsamung des Gewinnwachstums in den Kursen schon berücksichtigt sein dürfte.

Wertinvestoren kaufen jetzt wieder die großen Werte. Nach einem mehr als sechs Jahre dauernden Boom gelten Nebenwerte als überteuert. Das durchschnittliche KGV im MDax etwa beträgt 22, im Dax liegt es bei 13. Historisch gesehen ein Ausnahmezustand, der nicht ewig dauert.

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