Bulle & Bär
Wertvolle Value-Aktien

Die Geldvermehrungsmaschine ist ins Stocken geraten. Nach vier Jahren Aktienhausse ist der Höhenflug anscheinend erst einmal vorbei. Fast wehmütig blicken Börsianer auf die goldenen Zeiten zurück: Deutsche Standardaktien brachten zuletzt 25 Prozent Jahresertrag, internationale Titel 19 Prozent, Schwellenbörsen spektakuläre 37 Prozent. Verluste? Da musste man sich schon kräftig anstrengen.

FRANKFURT. Aber welche Erträge sind künftig zu erwarten? Im Moment fällt eine Antwort auf die Frage besonders schwer, denn die US-Kreditkrise und ihre Folgen trüben den Blick nach vorn. Doch auch in dieser schwierigen Lage hilft ein Blick zurück, denn die Gesetze der Börsen werden auch in Zukunft gelten.

Das Researchhaus Plexus hat diese Gesetze genauer geprüft. Die südafrikanischen Analysten schickten die historischen Daten für den US-Aktienmarkt seit Ende des 19. Jahrhunderts durch den Computer. Wichtigstes Ergebnis: Der Ertrag des Investments hängt entscheidend vom Kurs-Gewinn-Verhältnis beim Kauf ab.

Wer bei billigen Bewertungen unter zehn zugriff, kam in den kommenden zehn Jahren im Schnitt auf elf Prozent reale Jahresrendite - also die Inflation mit eingerechnet. Bei extrem teuren Bewertungen von 20 oder mehr blieben dagegen nur magere zwei bis drei Prozent übrig. Rechnungen mit Dividendenrenditen, einer weiteren wichtigen Bewertungs-Messlatte, ergeben sehr ähnliche Zusammenhänge. Je niedriger die Ausschüttungsquote, um so geringer fallen auch die künftigen Erträge aus.

Die Resultate geben den Skeptikern Rückendeckung. Aktuell rangieren die Ausschüttungsquoten nahe ihren historischen Tiefstwerten. Gleichzeitig sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse weit von ihren typischerweise einstelligen Werten am Ende einer Baisse und zum Start einer Hausse entfernt.

Deshalb resümieren die Plexus-Analysten: An der Wall Street müssen die Börsianer in den nächsten zehn Jahren mit Jahreserträgen von fünf Prozent rechnen. Auch die Ergebnisse an anderen entwickelten Märkten dürften nicht weit von den fünf Prozent entfernt sein.

Ein Durchschnitt von fünf Prozent für einen Gesamtmarkt liefert allerdings nicht zwingend einen Grund zur Abkehr von der Aktie. Er kann den Blick für aussichtsreiche langfristige Anlagestrategien schärfen, etwa für Value-Ansätze. Hier suchen Verwalter gezielt nach preiswerten Einzeltiteln und bauen auch schon einmal Barbestände auf, wenn sie keine attraktiven Titel mehr finden. Das verspricht mehr als nur eine Durchschnittsrendite.

Viele der erfolgreichen Vermögensverwalter, die schon lange im Börsengeschäft sind, bauen auf diese Strategie. Zu ihnen zählen der hier zu Lande weniger bekannte Amerikaner Jeremy Grantham, die Strategen aus den US-Häusern Franklin Templeton und Tweedy Browne, aber auch die deutschen Verwalter Jens Ehrhardt und Michael Keppler.

narat@handelsblatt.com

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