Bulle & Bär
Wette auf den Fortschritt

Das wachsende Interesse an Aktien von Ethanol-Unternehmen erinnert an den Internet-Boom in den 90er-Jahren. Weil die Industrieländer den alternativen Treibstoff für ihre Autoflotte entdeckt haben, streben viele kleine Unternehmen an die Börse. Die meisten von ihnen schreiben rote Zahlen, wagen aber kühne Wachstumsprognosen.

SÃO PAULO. Wie beim Internetfieber weiß niemand, ob die Firmen auf der richtigen Fährte sind. Die meisten von ihnen forschen noch oder beginnen gerade mit den Testproduktionen. Entscheidend ist, wie schnell sie die Technologie weiter entwickeln können, um Ethanol in großen Mengen aus Zellstoff gewinnen zu können.

Während sich die europäischen Konzerne bisher auf die Entwicklung von Biodiesel konzentrieren, sind amerikanische Unternehmen weiter bei der Ethanol-Forschung, da sie bereits langjährige Erfahrung mit der Ethanol-Produktion aus Mais haben. Von sich reden macht etwa das kanadische Forschungsunternehmen Iogen, das von Shell finanziert wird: Der Konzern erforscht Enzyme, die die Fermentation von Zellstoff beschleunigen. Die Technologie will der Konzern schon bald für die industrielle Ethanol-Produktion anwenden.

Einen anderen Weg geht Pacific Ethanol. In zwei Jahren will der einzige börsennotierte reine Alkoholproduzent mit fünf Raffinerien Ethanol aus Mais herstellen. Microsoft-Gründer Bill Gates hat dieses Konzept überzeugt. Über seine Beteiligungsgesellschaft erwarb er im Herbst vergangenen Jahres ein Viertel des Kapitals von Pacific Ethanol.

Auch der Milliardär Richard Branson will mit seinem Unternehmen Virgin-Fuels mit Alternativbrennstoffen den großen Energiekonzernen künftig Paroli bieten. 300 bis 400 Mill. Dollar wird er dafür bis zum Jahr 2009 investieren, sagte er Forbes.

Von dem Einstieg der Superreichen sollten sich Investoren allerdings nicht blenden lassen. Wetten auf technologischen Fortschritt sind riskant – zumal sinkende Ölpreise oder neue gesetzliche Rahmenbedingungen die Gewinnaussichten der Ethanol-Unternehmen sofort trüben würden.

Eine etwas überschaubarere Alternative für Investoren besteht darin, sich dem Ethanol-Markt von der Agrarseite zu nähern. Am besten dort, wo die Wettbewerbfähigkeit am größten ist: In Brasilien etwa ist der Zuckerkonzern Cosan im Herbst 2005 erfolgreich an die Börse gegangen. Das Unternehmen erwirtschaftet bereits ein Drittel seines Umsatzes mit Alkohol.

Als Alternative zur Direktanlage bietet HSBC Trinkaus & Burkhardt ein Biokraftstoff-Zertifikat auf die Aktien von zwölf Unternehmen an, die Biokraftstoffe produzieren oder entwickeln. Dazu zählt Pacific Ethanol ebenso wie der Zuckerproduzent Südzucker oder der Agrochemiekonzern Syngenta. Der Unternehmensmix erhöht die Sicherheit, senkt jedoch die Gewinnchancen, weil die Konzerne meist nur einen geringen Anteil ihres Umsatzes mit Biokraftstoff erwirtschaften.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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