Bulle & Bär
Wette auf die Inflation

FRANKFURT. Schon lange hat eine neue Anleihe nicht mehr so viel Aufsehen erregt wie die in der vergangenen Woche platzierte inflationsindexierte deutsche Bundesanleihe. Deutschland begab einen zehnjährigen Bond über 5,5 Mrd. Euro, dessen Verzinsung und Rückzahlungswert in Einklang mit dem europäischen harmonisierten Verbraucherpreisindex steigt oder fällt; ausgenommen sind dabei die Teuerungsraten von Tabakwaren.

Die große Aufmerksamkeit ist kein Wunder. Denn immerhin dauerten die Vorbereitungen für die Emission fast zwei Jahre. Im Sommer 2004 begann das Bundesfinanzministerium (BMF) gemeinsam mit der für das deutsche Schuldenmanagement zuständigen Finanzagentur mit der Prüfung, ob eine solche Anleihe für Deutschland sinnvoll sei. Ein Jahr später erklärte das BMF, dass Deutschland ab 2005 jährlich inflationsindexierte Bonds über zehn Mrd. Euro begeben könne. Doch wegen der vorgezogenen Bundestagswahlen wurde das Projekt verschoben.

Dabei haben die meisten Industrienationen die so genannten Linker schon lange entdeckt. Großbritannien führte die Papiere 1981 ein, die USA 1997. Im Euro-Raum gibt es Inflationsanleihen aus Frankreich, Italien und Griechenland. In Deutschland dagegen war die Inflationsindexierung von Verbindlichkeiten bis vor drei Jahren generell verboten.

Die Bundesregierung unterstreicht aber jetzt nach eigenen Angaben mit der Emission ihr Vertrauen in die langfristige Preisstabilität im Euro-Raum. Darauf vertrauen muss sie auch, denn wenn die Inflation kräftiger anzieht, muss der Bund für das Papier höhere Zinsen als für herkömmliche Anleihen zahlen. Die neue Anleihe hat einen Zinsschein von nur 1,5 Prozent und wurde mit einem Kurs von 99,60 Prozent begeben. Daraus errechnete sich eine reale Rendite von 1,543 Prozent, auf die dann der Inflationsausgleich für Zins- und Rückzahlung aufgeschlagen wird. Die „Break-Even-Rendite“ – der Renditeabstand zur üblichen Bundesanleihe – lag zum Emissionszeitpunkt bei 2,07 Prozentpunkten. Das bedeutet, dass der Markt in den nächsten zehn Jahren genau diese jährliche Inflationsrate erwartet.

Der Kauf des Linkers lohnt sich für Anleger dann, wenn die Teuerungsrate über die gesamte Laufzeit der Anleihe stärker steigt als der Markt eingepreist hat, und ist damit eine Wette auf die Inflationsentwicklung. Allerdings müssen Privatanleger vor einem Kauf bedenken, dass die über den Freibetrag hinausgehenden Zinseinkünfte zu versteuern sind. Maßgeblich dabei ist nicht der niedrige reale Kupon des Linkers, sondern sind die tatsächlichen Zinseinnahmen. Dazu kommt, dass Linker steuertechnisch als „Finanzinnovation“ gelten. Bei Kursgewinnen müssen Anleger – anders als bei herkömmlichen Bonds – also in jedem Fall einen Teil an den Fiskus abführen. Inflationsindexierte Anleihen bergen also durchaus einige Tücken.

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