Bulle & Bär
Wette auf steigende Zinsen

Anleger, die auf variabel verzinste Anleihen gesetzt haben, können sich freuen. Denn während die Kurse von festverzinslichen Rentenpapieren seit fast zwei Jahren fallen, halten sich die Kurse der variabel verzinsten Bonds recht stabil - und die Zinseinnahmen steigen stetig.

FRANKFURT. Das liegt in der Natur der Sache. Hauptauslöser für die fallenden Kurse der Festverzinslichen waren und sind die steigenden Leitzinsen oder zumindest die Ängste davor. Sie führen in der Regel dazu, dass neue Anleihen nur mit höheren Zinsscheinen begeben werden können, um genügend Abnehmer zu finden. Dies macht ausstehende Papiere unattraktiver und lässt als Folge ihre Kurse fallen und ihre Renditen steigen.

Bei variabel verzinsten Anleihen - in der Fachsprache Floater genannt - passen sich die Kupons dagegen dem Marktzins an. Deshalb belasten Ängste vor Leitzinserhöhungen die Kurse der Floater nicht. Die Zinsscheine werden meist alle drei Monate an den Euribor angepasst. Diesen Geldmarktsatz legen Banken im Euro-Raum zugrunde, wenn sie sich gegenseitig Geld leihen. Floater gibt es vor allem von Banken, aber auch von Unternehmen abseits der Finanzbranche. Variabel verzinste Banken-Bonds rentieren mit einem kleinen Aufschlag von oft weniger als einem zehntel Prozentpunkt im Vergleich zum Euribor. Unternehmen bieten für ihre variabel verzinsten Bonds häufig etwas mehr, die Risikoprämien gelten aber als sehr niedrig.

Die Entwicklung des Euribors ist eng mit dem Leitzins verknüpft. Seit September 2005 hat sich der Interbankensatz auf jetzt gut vier Prozent fast verdoppelt. Seit Dezember 2005 hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Schlüsselzins in acht Schritten von zwei auf vier Prozent erhöht, um die Inflationsgefahren angesichts der überraschend robusten Konjunktur einzudämmen. Bei ihrer heutigen Sitzung werden die europäischen Währungshüter den Leitzins aller Voraussicht nach unverändert lassen. Eine weitere Erhöhung auf 4,25 Prozent im September gilt unter Volkswirten jedoch als ausgemachte Sache. Immer mehr Zinsauguren rechnen zudem damit, dass die EZB den Leitzins in diesem Jahr noch auf 4,50 Prozent erhöhen wird.

Anleger, die auf weiter steigende Zinsen setzen, sind mit Floatern jetzt aber nur noch gut beraten, wenn auch sie noch mehrere EZB-Zinserhöhungen erwarten. Denn für Floater gibt es etwas weniger Rendite als für Festzinsbonds. Ein in zwei Jahren fälliger Floater der Deutschen Telekom zum Beispiel bietet aus heutiger Sicht eine Rendite von 4,3 Prozent - zusammengesetzt aus dem aktuellen variablen Zinsschein und dem Kurs. Wer ein zweijähriges Festzinspapier der Telekom kauft und bis zur Fälligkeit hält, sichert sich 4,6 Prozent Rendite.

Gefahr droht, wenn sich die Konjunktur schwächer entwickeln sollte als erwartet und die Notenbanken darauf mit Zinssenkungen reagieren würden:Dann fallen auch die Floater-Kupons.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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