Bulle & Bär
Wette mit hoher Verzinsung

Blackstone hat die Börsen wachgerüttelt. Nicht dass der Einstieg des Finanzinvestors bei der Deutschen Telekom die Märkte beflügelt. Das klappt seit drei Jahren auch ganz gut ohne spektakuläre Deals. Doch jetzt hat die gebeutelte T-Aktie gute Chancen, aus ihrem tristen Dornröschenschlaf zu erwachen. Manchmal bedarf es nur eines Anstoßes, um eine Kettenreaktion auszulösen. Das gilt vor allem für Fälle, wo Psychologie mindestens ebenso wichtig ist wie Zahlen und Fakten.

Fakt ist jedenfalls, dass Blackstone bei einem Dax-Wert eingestiegen ist, der wie kaum ein anderer in den vergangenen Jahren seine Nettogewinne steigerte, die Dividenden erhöhte, unrentable Geschäftsstrukturen straffte, Schulden und Kosten drastisch senkte. Seit dem Börsengang vor zehn Jahren verließen 100 000 der damals knapp 230 000 Mitarbeiter den Konzern.

Doch was sich wie die größte Erfolgsstory für die Börse anhört, ist es nicht. Der Kurs kommt nicht von der Stelle. Während der Dax in drei Jahren 150 Prozent zulegte, schaffte die Telekom schlappe 15 Prozent. Was Investoren vermissen, sind Visionen und Antworten auf die Frage, wie die Telekom künftig noch so viel Geld verdienen will wie heute. Denn im Festnetz und Mobilfunk rutschen die Preise rasant. Das geht auf Kosten der Margen. Seitdem kostenloses Telefonieren mehr als nur ein Schlagwort der Werbung ist, drohen der Telekom die wichtigsten Geschäftsfelder wegzubrechen.

Doch Anleger verkennen, dass sich neue Perspektiven auftun. Vor allem für jene Gesellschaften, die sich nicht wie Vodafone nur auf ein Standbein (Handy) konzentrieren, sondern stattdessen den Forderungen der Marktteilnehmer widerstanden und breit aufgestellt blieben. Das zahlt sich künftig vielleicht aus. Denn neue Modelle sind gefragt. Sie lassen sich nur mit Hilfe mehrerer Geschäftsfelder verwirklichen.

Dazu gehört „Triple Play“, also Telefonieren, Internet und Fernsehen aus einer Hand anzubieten. Um dieser Technik zum Durchbruch zu verhelfen, ist es von der Telekom clever, für 45 Millionen Euro die Bundesliga-Fernsehrechte für Liveberichte im Internet zu erwerben. Zum Vergleich: Der Kabelkonzern Unity Media zahlt 210 Millionen Euro für die Liverechte im Bezahlfernsehen. Und Potenzial bietet schließlich auch die Mobilfunksparte in den USA.

All das sind Geschäftsfelder der Zukunft. Gut möglich, dass der Einstieg Blackstones Anlegern hilft, diese zu entdecken. Getreu dem Motto: Wenn eine amerikanische „Heuschrecke“ die T-Aktie entdeckt, muss doch etwas dran sein. Wenn der Finanzinvestor dann noch seine Expertise im Aufsichtsrat der Bonner einbringt, kann das nur Recht sein.

Und wenn sich am Ende nichts ändert und der Kurs weiter vor sich hindümpelt? Dann war alles nur eine Wette, aber immerhin mit hoher Verzinsung. Denn die Dividendenrendite von fünf Prozent ist erst einmal sicher.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%