Bulle & Bär
Wetten auf den Ölpreis: Bald steigt er wieder

Können Sie sich an den VW-Werbespot erinnern, in dem ein umsorgender Familienvater sein Auto tröpfchenweise mit Benzin füttert? Mit Babylöffeln flößt er seinem sparsamen Gefährt den Sprit ein. Eine Demonstration wie sparsam es fährt. Heute hat der Werbespot an Fallhöhe verloren. Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten um mehr als 70 Prozent eingebrochen.

FRANKFURT. Ausschlaggebend für den Preisrückgang dürften die düsteren Konjunkturdaten aus den USA sein. Die Saudis reagierten prompt und wollen die Fördermengen überraschend deutlich drosseln.

Aus Hoffnung auf bald steigende Ölpreise lagern Shell, BP und andere große Wettbewerber nun im großen Stil Öl ein. Große Tankerschiffe werden derzeit gar als Lagerplätze zweckentfremdet. Die Gunst der Stunde wittern aber auch findige Produktentwickler in den Banken. Sie konstruieren mit Zertifikaten massentaugliche Kapitalmarktwetten auf steigende Ölpreise. Entsprechend überschwemmen neue Produkte den Markt.

Anders als bei Zertifikaten auf Aktien sind Rohstoffzertifikate meist nicht an die Entwicklung des physischen Rohstoffs gekoppelt, sondern binden sich an Terminkontrakte, die „Futures“. Diese Verträge legen Preise für erst in der Zukunft ausgelieferte Rohstoffe fest. Der Großteil der Rohstoffzertifikate spiegelt deshalb nicht die Entwicklung der aktuellen Preise (Spotkurse) wider, sondern die Kursentwicklung dieser Terminkontrakte. Die Terminkurven, im Fachjargon Contango-Kurven genannt, zeigen bei Rohöl steigende Marktpreiserwartungen an. Lieferkontrakte für Anfang 2009 sind wesentlich günstiger als Verträge für eine Auslieferung in zwei Jahren. Viele Analysten rechnen somit, dass Öl schon 2010 wieder mehr als hundert Dollar kostet. Kurzfristig kann es jedoch noch weitere Preisrückgänge geben

Empfohlen werden derzeit vor allem Discount-Zertifikate. Discounter bieten sich an, wenn der Anleger einen Seitwärtstrend oder leicht steigende Kurse erwartet. Selbst bei weiter fallenden Kursen kann ein Gewinn erzielt werden, solange der Verlust nicht den Discount übersteigt. Discountzertifikate werden etwa 20 Prozent günstiger verkauft, als der Wert des unterlegten Rohstoffs. Allerdings kann der Investor nur bis zu einer gewissen Obergrenze an der Entwicklung des Basiswerts partizipieren. Der Vorteil: Discounter leiden im Gegensatz zu den meisten Garantie- und Bonuszertifikaten nicht unter hohen Absicherungskosten. Denn sie verkaufen eine Call-Option zu einem absehbaren Termin und müssen nicht wie Zertifikate mit langer Laufzeit immer neue Future-Verträge absichern. Weil der neue Kontrakt teurer ist als der alte, nimmt beispielsweise ein Indexzertifikat auf Dauer immer weniger an der Preisentwicklung des eigentlichen Rohstoffs teil. Doch sollten Anleger bei Zertifikaten immer bedenken, dass es bei einem Bankrott des Anbieters zu einem Totalverlust kommen kann. Lehman lässt grüßen.

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