Bulle & Bär
Wetten auf die Rezession

Wissen ist bekanntlich Macht. An der Börse entsteht aus der Kombination von Wissen und Macht letztlich der Faktor Geld. Wie können Anleger aus ihrem Wissen im aktuellen, von Unsicherheit und Unwissen geprägten Umfeld Geld machen?

FRANKFURT. Wenn richtig ist, dass die aktuellen Kurse an den Finanzmärkten nicht das Wissen des ökonomischen Status quo reflektieren, sondern die Erwartungen künftiger ökonomischer Trends abbilden, müssen Anleger, den Blick in die Zukunft richten. Es gilt zu spekulieren, in welche Richtung sich die Weltwirtschaft bewegen wird.

Was wir heute mit Sicherheit wissen, ist, dass sich die Finanzwelt in einer ernsthaften Krise befindet. Bekannt ist auch, dass die sogenannte Subprime-Krise von Banken ausgelöst wurde. So haben die Notenbanken über Jahre hinaus durch viel zu üppige Geldmengen und eine viel zu laxe Zinspolitik den Nährboden dafür geschaffen, dass der Preis für das Risiko immer stärker gefallen ist. Gleichzeitig waren immer mehr Finanzmarktakteure bereit, bedenkenlos Risiken einzugehen. Dies galt vor allem für US-Hypothekenbanken, die Häuslebauer unseriöse Lockvogelangebote aufschwatzten und ins Verderben trieben. Banken verpackten Risiken in komplexe Derivate und brachten sie in verbriefter Form in Depots risikobereiter Mammonjünger und Asset-Manager wie Hedge-Fonds unter. Viele Profis haben diese Risiken unterschätzt.

Heute wissen wir, dass dieses Verhalten nicht nur unzählige Opfer in der Finanzszene gefordert hat, sondern dass damit die Festen des Weltfinanzsystems ins Wanken gerieten. Und so werden wir auch in den kommenden Monaten noch zahlreiche Opfer der Finanzkrise am Wegesrand auflesen müssen. Die Folge: Die Marktkapitalisierung der Finanzdienstleistungsbranche ist drastisch geschrumpft. Dies ist bedenklich, da ein solides Bankenwesen Fundament jeder erfolgreichen Volkswirtschaft ist. All dies ist bekannt, so dass neue Pleiten die Anleger kaum mehr schocken dürften. Vor dem Hintergrund der immensen Belastungen für das globale Finanzsystem ist Aktien und anderen Anlageklassen eine bemerkenswerte Stabilität zu bescheinigen.

Ungeachtet dessen muss sich jeder Anleger die Frage stellen, ob der liquiditätsgetriebene Boom finanzieller Vermögenswerte vorbei ist. Denn was wir heute nicht wissen, ist, wie stark die bislang auf den Finanzsektor begrenzte Krise auf die Realwirtschaft übergreifen wird. Die Gefahr einer Rezession hat zugenommen - sowohl für die USA als auch für Europa. Das Desaster bei US-Wohnimmobilien wird noch länger negativ wirken.

Der Vergleich mit früheren Konjunkturzyklen (1973 bis 1975, 1980 bis 1981 und 1990 bis 1991) zeigt, dass das damals wie heute zu beobachtende Gesundbeten der US-Volkswirtschaft durch Ökonomen nichts geholfen hat. Wer nach vorne späht, kommt an der Spekulation auf eine Rezession nicht vorbei. Der Preis für Risiken befindet sich in der Hausse!

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