Bulle & Bär
„Wetten, dass..?“ an der Börse

Es reicht nicht, beim Wetten einfach nur recht zu haben. Meinungsfreudige wollen ihrem Gegenüber den Schneid abkaufen, ihn in die Knie zwingen. Für Börsianer kann die richtige Einschätzung sogar zur Überlebensfrage werden, denn es steht viel Geld auf dem Spiel. Bei den Zockern geht es schlicht um Sein oder Nichtsein.

HB FRANKFURT. Hin und wieder wagen Finanzmarktakteure echte Wetten. Dann kämpfen sie nicht an der Börse den Kampf "Einer gegen alle" und "Jeder gegen jeden". Sie suchen einen persönlichen Gegner. Da ist zum Beispiel Jim Sinclair, ein in Kreisen der Edelmetallfans bekannter Gold-Freak und Leiter von Explorationsfirmen.

Den umtriebigen Sinclair nerven die Kommentare skeptischer Börsianer, die in den letzten Wochen den Goldpreisverfall als Auftakt zur Baisse bejubelten. Der erklärte Bulle hat nun ein Zeichen gesetzt. Er lockt die Bären mit einer satten Million Dollar. Und das ist die Wette: Sinclair streicht die Million ein, wenn der Goldpreis bis zum Januar 2011 nicht mindestens 1 650 Dollar pro Unze erreicht hat - derzeit sind es knapp über 900 Dollar. Bis jetzt nahm wohl noch niemand die Herausforderung an.

Börsianer lieben Wetten. Aber meist ist der Einsatz geringer. Insider erinnern sich an den Zopf des bekannten Vermögensverwalters Marc Faber aus Hongkong. Der gebürtige Schweizer warnte 1990 vor dem Platzen der japanischen Finanzblase. Er wettete mit einem Freund. "Ich schneide mir die Haare erst wieder, wenn der Nikkei-Index auf die Hälfte gefallen ist", sagte der Stratege damals. Er behielt Recht, ließ sich aber trotzdem einen Zopf wachsen. Heute trägt er ihn nur noch aus Eitelkeit, wie er zugibt.

Auch andere bekannte Börsianer zeigen Mut zur Meinung. Die Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway von Warren Buffett hat Puts auf Anleihen und Aktienindizes verkauft und dafür 7,7 Milliarden Dollar eingestrichen. Das heißt: Der amerikanische Superinvestor wettet, dass Bondemittenten in den nächsten Jahren nicht Pleite gehen und die Aktien in den kommenden 15 bis 20 Jahren nicht fallen.

Historische Beispiele für wettwütige und spekulationsfreudige Männer gibt es zuhauf. Der Spitzen-Ökonom John Maynard Keynes etwa machte an der Börse Anfang des letzten Jahrhunderts ein Vermögen. Auch Nicht-Börsianer frönen ihrer Spiellust. Das Physik-Genie Isaac Newton verbrannte im Mississippi-Aktienschwindel Anfang des 18. Jahrhunderts eine horrende Summe.

Verglichen damit mutet Sinclairs Wette bescheiden an. Sie schreibt nur den durchschnittlichen jährlichen Goldpreisgewinn der letzten sieben Jahre nach vorn: 20 Prozent. Das Ende einer Übertreibung sieht anders aus. Etwa so wie vor dem Platzen der Tulpenzwiebelblase 1 636. Die Preise waren in höchste Höhen enteilt. Spekulanten zahlten für eine Zwiebel der Sorte Vizekönig: 24 Wagenladungen Korn, acht Mastschweine, vier Kühe, vier Fässer Bier und tonnenweise Käse.

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