Bulle & Bär
Wettrüsten bei Microsoft

Mit Microsoft-Aktien reich zu werden, einst ein Selbstläufer, ist schon seit ein paar Jahren ein Kunststück. Daran dürfte sich in naher Zukunft kaum etwas ändern. Der Grund dafür heißt Google.

PORTLAND. Die Dividendenrendite von 1,5 Prozent lässt niemandem das Wasser im Munde zusammenlaufen, und der Kurs des einstigen Wall Street-Lieblings sinkt stetig. Allein seit Ende Januar sackte die Notierung um 18 Prozent, obwohl das Unternehmen versuchte, mit Rückkäufen im Gesamtvolumen von fast fünf Milliarden Dollar den Kurs zu stabilisieren. Mit 18,5 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Microsoft-Aktien mittlerweile auf dem Niveau von Motorrad-Herstellern und entspricht schon längst nicht mehr einem Hightech-Standardwert.

Die landläufige Erklärung für den tiefen Fall von Microsoft lautet in einem Wort: Google. Die führende Suchmaschine für das Internet hat mit einem erstklassigen Service und einem simplen Geschäftsmodell die Softwarewelt auf den Kopf gestellt: Die Suche ist für den Nutzer kostenlos; stattdessen wird die Dienstleistung von Firmen bezahlt, die ihre Werbung mit den Suchergebnissen verknüpfen. Je prominenter die Stellung in der Rangfolge der Suchergebnisse, desto teurer die Werbung. Aber die Firmen müssen nur zahlen, wenn Nutzer auf ihre Werbung klicken. Zehn Milliarden Dollar Umsatz dürfte Google damit in diesem Jahr erreichen. Dass der Suchpapst mit neuen, durch Werbung finanzierten Anwendungsangeboten über die Internet-Suche hinaus einen immer größeren Teil der Benutzeroberfläche von Computern besetzen und früher oder später Altmeister Microsoft vom Sockel stoßen wird, gilt inzwischen als Binsenweisheit.

Bei Microsoft selbst herrscht Alarmstufe Rot, und von Bill Gates bis zum Bereichsleiter MSN.com heißt das Motto: Der Verkauf von Software in Kartons ist tot, es lebe das mit Werbung finanzierte kostenlose Angebot von Software als Dienstleistung aus dem Internet. Emsig werkeln Legionen von Microsoft-Programmierern an der Verbesserung der eigenen Suchtechnologie, des Internet-Portals MSN und dem neuen Do-it-Yourself-Portal Windows Live sowie an zahllosen Anwendungen, um Windows als Startseite für das Internet attraktiver zu machen, die Verweildauer zu erhöhen und damit mehr Werber anzuziehen. Der Investitionsaufwand dafür ist immens. Die Ankündigung von Konzernchef Steve Ballmer, dass dafür zwei Milliarden Dollar zusätzlich fließen sollen, drückte den Aktienkurs um zehn Prozent. Dabei ist Geldmangel nun wirklich nicht das Problem. Microsoft hat fast 35 Mrd. Dollar an Liquidität.

Jenen, die ihre Microsoft-Anteile in Panik verkaufen wollen, sollte zu denken geben, dass Google noch mit keiner neuen Anwendung an den Erfolg ihrer Suchmaschine anknüpfen konnte. Unterdessen wachsen bei Microsoft Umsatz und Gewinn immer noch zweistellig, und der Softwarekonzern verdient weiterhin im Quartal netto deutlich mehr als Google insgesamt umsetzt.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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