Bulle & Bär: Wie der Schein trügen kann

Bulle & Bär
Wie der Schein trügen kann

Die vielen schlechten Nachrichten werden von der Börse nicht ignoriert – auch wenn es so aussieht. Denn auf die vielen Meldungen reagieren die Kurse nur mit leichten Schwankungen. Wieso die Indizes trotzdem nahe ihrer Jahreshochs notieren.

DÜSSELDORF. Fünf Meldungen perlen scheinbar folgenlos an den Börsen ab. Obwohl jede einzelne Nachricht das Zeug dazu hat, die Kurse einbrechen zu lassen.

Erstens, islamistische Terroristen planten nach Informationen von Geheimdiensten Anschläge in mehreren europäischen Staaten, darunter auch in deutschen Städten.
Zweitens, in Irland und Portugal springt die Rendite für Staatsanleihen in die Höhe wie auf dem Höhepunkt der Krise des Weltfinanzsystems vor einem Jahr. Investoren zweifeln erneut an der Bonität und argwöhnen, dass der EU-Rettungsschirm einspringen muss und so die Finanzkrise neu entflammt.

Drittens, Amerikaner und Chinesen streiten immer heftiger über ihre Wechselkurse. Die USA wollen partout ihren Dollar schwächer haben, um sich so Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
Viertens, an den Devisenmärkten macht der "Abwertungswettlauf" die Runde. Denn neben den USA wollen auch die Japaner eine schwächere Währung.
Fünftens, über all dem schwebt das Deflationsgespenst, also die Gefahr sinkender Löhne, Preise und dem Niedergang der Wirtschaft. Japan vermag dieser Abwärtsspirale seit dem Platzen der Immobilienblase vor 20 Jahren nicht mehr zu entrinnen. Immer mehr Anleger fürchten nun auch für Europa und die USA ein ähnliches Schicksal.

Die Ausgangslage ist einfach gut

Doch was machen die Aktienmärkte? Sie halten sich nicht nur tapfer, sondern sogar stabil nahe ihrer Jahreshochs. Sobald Frühindikatoren auf eine nachlassende Wirtschaft hindeuten, so wie jüngst das einbrechende Verbrauchervertrauen in den USA, fallen die Kurse zwar ein wenig, erholen sich aber auch genauso schnell wieder. Als ob es immer genügend Hände gibt, die nach Aktien greifen und so einen Einbruch verhindern.

Dieser wäre angesichts der Fülle an negativen Nachrichten keineswegs ungewöhnlich, oder etwa nicht? Schließlich stecken wir saisonal gerade in den schwierigsten Börsenwochen aller Zeiten. Im September und Oktober brachen die Kurse schon oft auf Grund viel nichtigerer Ereignisse ein.

Aber: Die Ausgangslage ist gut. Sogar sehr gut. Keineswegs ignorieren die Börsen all die schlechten Nachrichten. Umgekehrt wird ein Schuh draus! Ohne all die schlechten Nachrichten würden die Börsen durch die Decke gehen. Denn bei den Unternehmen ziehen die Umsätze rasant an, die Gewinne explodieren förmlich, und niemand sieht Anzeichen von Schwäche. Viele Konzerne verdienen in diesem Jahr so viel wie noch nie. Und das nur ein Jahr nach der schwersten Krise in der Nachkriegsgeschichte.

Doch die Aktienkurse notieren noch weit unter ihren Höchstkursen von 2008/09, durchschnittlich 25 Prozent tiefer. Und damals waren Aktien gemessen an den Erträgen der Unternehmen keineswegs überbewertet. Heute aber sind sie unterbewertet. Aus gutem Grund, schließlich lasten viele Unwägbarkeiten auf der Börse. Sie deckeln die Kurse. Keineswegs ignoriert also die Börse all die schlechten Nachrichten. Denn dann würden die Kurse kräftig steigen.

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