Bulle & Bär
Wie Jim Cramer einen Dax-Wert bewegt

Fresenius Medical Care fällt nicht weiter auf. Das Geschäft läuft solide, von größeren Eskapaden hört man nichts. Eigentlich gibt es kaum ein langweiligeres Unternehmen im Dax. Doch jetzt ist ausgerechnet einer der verrücktesten US-Börsengurus auf den Gesundheitskonzern aus Bad Homburg aufmerksam geworden.

FRANKFURT. Fresenius Medical Care fällt nicht weiter auf. Das Geschäft läuft solide, von größeren Eskapaden hört man nichts. Eigentlich gibt es kaum ein langweiligeres Unternehmen im Dax. Doch jetzt ist ausgerechnet einer der verrücktesten US-Börsengurus auf den Gesundheitskonzern aus Bad Homburg aufmerksam geworden: Jim Cramer.

In seiner TV-Show "Mad Money" auf CNBC hat er die Aktie zum Kauf empfohlen - die Börse reagierte prompt. Heute gehört Fresenius Medical Care (FMC) mit einem Plus von mehr als einem Prozent zu den besten im Dax. Beachtlich, wenn man bedenkt, wie stark der gesamte Markt eingeknickt ist.

Cramers Wort hat Gewicht. Die Fernsehzuschauer lieben seine irren Auftritte. Er fuchtelt, brüllt, schimpft. Wenn es ums Geld geht, gerät wohl kein anderer Fernsehmann so in Rage wie er. Selbst an der Wall Street schalten Broker ein, wenn der Mann mit Halbglatze und Vollbart seine Aktientipps unter die Anleger bringt. Immerhin hat Cramer früher selbst als Broker und Hedge-Fonds-Manager Millionen gemacht.

Nun hat er sich also in Deutschland umgesehen und Fresenius Medical Care ausgesucht. Das Unternehmen dürfte demnächst von einer Reform des US-Gesundheitssystems profitieren. Das meint jedenfalls Cramer. Doch der Reihe nach.

Fresenius Medical Care verdient sein Geld mit Medikamenten, Maschinen und Dienstleistungen zur Blutwäsche bei Nierenerkrankungen. Darin ist das Unternehmen Weltmarktführer. Der wichtigste Markt sind die USA - dort erzielt FMC zwei Drittel des Absatzes.

Weiteres Wachstum in Schwellenländern, die in der medizinischen Versorgung Nachholbedarf haben, ist nicht ausgeschlossen. Und immer wieder erinnern Analysten - wie übrigens auch Cramer - daran, dass das Geschäft des Dialysespezialisten robust und wenig abhängig von konjunkturellen Einflüssen ist. Klingt einleuchtend. Wer in Krisenzeiten sparen muss, fährt vielleicht weniger mit dem Auto. Aber an der Gesundheit wird nicht gespart. Ein chronisch Kranker kann niemals auf seine Behandlung verzichten.

Eine Reihe von Punkten spricht für Fresenius. Aber es bleiben offene Fragen. Weltweit sind Dialyseanbieter davon abhängig, ob und in welcher Höhe die Kosten für ihre Leistungen erstattet werden. Und ausgerechnet in den USA wird gerade über ein neues Vergütungsmodell diskutiert. Ein Entwurf zur Reform der staatlichen Gesundheitsbehörde Medicare sieht vor, dass Dialyseanbieter künftig höhere Gebühren erhalten könnten. Der US-Kongress hat zugestimmt - was Jim Cramer gleich zum Anlass für seine Fresenius-Empfehlung genommen hat.

Etwas vorschnell. Denn noch muss das Gesetz den Senat passieren und im Anschluss durch den Präsidenten abgesegnet werden. Wie der in Zukunft heißen wird ist bekanntlich noch nicht bekannt. Ebenso ungewiss ist die künftige Gesundheitspolitik. Für Zurückhaltung war Cramer noch nie bekannt. Das sollten Anleger bedenken, wenn ihnen ihr Geld lieb ist.

Video: Jim Cramer schimpft auf Fed-Chef Ben Bernanke

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
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