Bulle & Bär
Wie stark ist Boeing wirklich?

Im Hauptquartier von Boeing in Chicago wissen die Manager nicht, worüber sie sich zuerst freuen sollen. Das Debakel des Konkurrenten Airbus um den Großraumjet A380? Die Wiedereroberung von Platz eins bei den Neubestellungen für Flugzeuge? Den starken Euro?

MÜNCHEN. Alles läuft für den amerikanischen Flugzeugbauer im Moment wie geschmiert. Mit ihm freuen sich die Anleger. Das im Dow-Jones-Index notierte Papier hat sich seit März 2003 mehr als verdoppelt und den Index weit abgehängt. Für Anleger stellen sich drei Fragen: Wie stark ist Boeing wirklich? Was bringt die Zukunft? Wie viel hat die Börse schon vorweggenommen?

Die Rahmenbedingungen sind gut: Die Luftfahrt boomt. Nachdem die Weltwirtschaft aus der Schockstarre des elften September 2001, unter dem die Luftfahrtindustrie besonders zu leiden hatte, wieder erwachte, ging es bergauf. Der Investitionsstau bei den Fluggesellschaften löste sich.

Anfangs musste sich Boeing das Rekordgeschäft noch mit Airbus teilen. 2005 gingen die meisten Flugzeugbestellungen an die Europäer – sie bekamen 1 111 Aufträge. Doch jetzt scheint der Weg zurück zur Vormachtstellung der Amerikaner weit offen.

Der Grund ist die für einen Weltkonzern, gelinde ausgedrückt, wenig überzeugende Vorstellung von Airbus rund um den Hoffnungsträger A380. Dessen verspätete Auslieferung führt nicht nur in der Bilanz des Mutterkonzerns EADS zu Milliardenlöchern. Auch der Vertrauensverlust bei den Auftraggebern hat Folgen. Schon gibt es erste Stornierungen. Dies spielt Boeing in die Hände. Zudem hat Boeing sich, während Airbus den A380 baute, auf den verbrauchsarmen Langstreckenflieger 787 Dreamliner konzentriert – Einführung 2008. In diesem wichtigen Segment hinkt Airbus den Amerikanern mit dem gerade beschlossenen A350 nun fünf Jahre hinterher, von der unklaren Finanzierung ganz abgesehen.

In Chicago darf man sich also die Hände reiben. Wirtschaftlich sollte sich Boeing über Jahre gut entwickeln. Dies muss aber nicht unbedingt auch für die Aktie gelten.

Zum einen ist die fundamentale Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 40 für einen Wert der „Old Economy“ sehr hoch. Vergleichbare US-Unternehmen wie Lockheed Martin oder Northrop Grumman bringen es auf 17. Nicht zuletzt deshalb empfiehlt fast die Hälfte der US-Analysten, den Wert nicht zu kaufen.

Unsicherheit könnte im kommenden Jahr auch der WTO-Streit über (vermeintliche) Subventionen für Airbus und Boeing bringen. Und schließlich sollten die Amerikaner Airbus nicht unterschätzen. Mit vier Regierungen im Rücken, einem milliardenschweren Sparprogramm und den Lehren aus dem A380-Debakel wird das Unternehmen alles daran setzen, den Amerikanern die Nummer eins wieder streitig zu machen.

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