Bulle & Bär
Wintereinbruch schürt neue Ängste

Zu früh gefreut. Einige Akteure an den internationalen Energiemärkten hatten das Thema Winter und damit steigende Rohölpreise bereits abgehakt. Doch wie so oft: Erstens kam es anders; und zweitens als viele Experten dachten.

DÜSSELDORF. Denn nicht nur in Europa fielen die Temperaturen in den vergangenen Tagen unter Null. Vor allem der Wintereinbruch in den USA hat den Rohölnotierungen unerwarteten Auftrieb gegeben. Der Preis für die amerikanische Richtmarke WTI (West Texas Intermediate) stieg in der vergangenen Woche erstmals seit Anfang Januar kurzzeitig wieder über die Marke von 60 Dollar je Barrel (159 Liter). Zuvor hatte die milde Witterung verbunden mit einem recht komfortablen Aufbau der Lagerbestände in den USA die Notierungen über lange Zeit hinweg abbröckeln lassen.

Mit dem Wintereinbruch ist an den Energiemärkten wieder die Angst vor Lieferengpässen zurückgekehrt. „Öl ins Feuer“ gossen zudem Nachrichten über Probleme in einer Raffinerie in Texas und das Feuer auf einem Ölfeld in Elk Hills in Kalifornien. Preistreibend wirkten darüber hinaus die nicht enden wollenden politischen Unruhen im Ölförderland Nigeria. Und ein geradezu perfektes Timing muss man vor diesem Hintergrund dem Iran bescheinigen, der wieder einmal seine politischen Muskeln spielen ließ. Der oberste geistliche Führer im Iran, Ayatollah Ali Chamenei, warnte in einer Rede die USA vor einem Angriff auf sein Land und drohte seinerseits mit Anschlägen auf US-Einrichtungen. Solche geopolitischen Spannungen – gerade in der sehr wichtigen Förderregion Naher Osten – lassen die Ölpreise schnell um ein paar Dollar nach oben springen.

Doch es gibt noch einen weiteren Preistreiber. Denn die in der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) verbundenen Länder hatten für Anfang Februar eine weitere Drosselung ihrer Förderung beschlossen. Täglich sollen die Ölfördermengen, die Quoten, der Opec-Staaten um weitere 500 000 Barrel am Tag gesenkt werden. Dies stützt den Preis nach unten ab, zumal ersten Meldungen zufolge die Kartellmitglieder sich im Januar an ihre Quotenvorgaben gehalten haben sollen. In der Vergangenheit war es dagegen mit der Quotendisziplin der Opec-Mitglieder nicht weit her.

Doch sind diese Faktoren tatsächlich eine Überraschung? Nein – sie halten nun schon seit Jahren die Energiemärkte unter Spannung. Ebenso wenig kann daher der jüngste Preisanstieg überraschen.

Es wird sich auch so schnell nichts ändern. Kurzfristige Preisrückgänge sollten darüber nicht hinwegtäuschen. Der Rohölmarkt ist und bleibt anfällig. Was heute der Wintereinbruch als Motiv für Preisaufschläge ist, kann beispielsweise morgen die „driving-season“ in den USA sein, also die Zeit in der die Amerikaner besonders viel Auto fahren. Mögliche Ursachen für steigende Preise gibt es somit viele. Anleger tun daher gut daran, sich auf derartige Schwankungen einzustellen.

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