Bulle & Bär
WM-freie Börse? Heute nicht.

Fußbälle auf Hochhäusern und Flugzeugen, auf Senfgläsern und Hausmacher-Leberwurst, es gibt derzeit fast nichts in Deutschland, auf dem nicht ein Symbol abgebildet ist, das in irgendeiner Weise mit der Fußball-Weltmeisterschaft zu tun hat. Nur die Börse scheint das WM-Fieber noch nicht erfasst zu haben.

FRANKFURT. Zumindest so, dass es nach außen hin ersichtlich ist. Bei der Kursfeststellung läuft alles wie immer, und die Handelsumsätze sind sogar höher als in den Wochen davor. Wenn Kursturbulenzen drohen wie zuletzt, dann muss das Spiel auf dem Rasen zurückstehen.

Der Grund, warum sich die Börse nahezu unberührt zeigt, liegt in erster Linie an den Zeiten, zu denen die einzelnen Spiele stattfinden. Die drei Begegnungen pro Tag im Rhythmus 15-18-21 Uhr laufen zwar auch in den Handelsräumen der großen Banken inzwischen neben den Nachrichtensendern und den Bloomberg- und Reuters-Tickern. Ärgerlich ist für viele Händler dagegen, dass sie sich just zum Zeitpunkt des Auftaktmatches auf den Handelsstart in den USA um 15.30 Uhr hiesiger Zeit einstellen und positionieren müssen.

Erste Konjunkturdaten laufen da ebenso über den Ticker wie aktuelle Unternehmensnachrichten. Gleich anschließend um 16 Uhr folgen in der Regel die nächsten Konjunkturnachrichten. Wer da bis zum deutschen Handelsende um 17.30 Uhr zu sehr auf das Spielfeld blickt, läuft Gefahr, ein eventuelles Drehen des Marktes zu versäumen und viel Geld zu verlieren. Zumal es solche Situationen in den letzten Wochen zuhauf gab, und viele Investoren nervös sind.

Besonders spannend wird es deshalb im heutigen Handel. Deutschland gegen Ecuador – das entscheidende Spiel um den Sieg in Gruppe eins, das bei einem Sieg das Zusammentreffen mit England bereits im Achtelfinale verhindern könnte – wird exakt um 16 Uhr angepfiffen.

Die Gefahr, dass etliche Börsianer aber von plötzlich auftretenden Marktreaktionen „kalt erwischt werden“, ist zumindest heute relativ gering. Aus den USA kommen schon um 14.30 Uhr die gewöhnlich wenig aufregenden Baubeginne und die Baugenehmigungen für Mai, für 16 Uhr steht diesmal nichts an. Einem entspannten kollektiven Fernsehgucken in den Handelsräumen steht damit nichts entgegen. Das alles natürlich unter dem Vorbehalt, dass nichts Unerwartetes passiert.

Erlaubt sein muss an dieser Stelle auch der Blick in den weiteren Spielplan und damit die Frage: Handelt es sich im heutigen Handel wegen des Deutschland-Spiels um 16 Uhr um eine einmalige Sondererscheinung oder muss im weiteren Verlauf der Weltmeisterschaft nun doch mit „Zufallskursen“ gerechnet werden? Gefahr lauert hier nur noch einmal: Ist die Klinsmann-Truppe weiter erfolgreich, muss sie eventuell im Viertelfinale am Freitag in einer Woche um 17 Uhr ran. Dann hoffen viele Börsianer erneut auf einen ereignislosen Handel.

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