Bulle & Bär
Wo Warren Buffett einsteigt

Warren Buffett investiert ins Versicherungsgeschäft. Er hat angeschlagenen Anleiheversicherern für Teile ihrer Verträge eine Rückversicherung angeboten und selbst eine neue Gesellschaft für diesen Bereich eröffnet. Er hat sich bei der Schweizer Rückversicherung eingekauft und zusätzlich einen Teil ihres Geschäfts übernommen. Und er hat dem niederländischen Finanzkonzern ING dessen Rückversicherung abgekauft.

DÜSSELDORF. Buffett kennt sich mit Versicherungen aus. Er besitzt die General Re, deren deutscher Ableger die alte Kölnische Rück ist. Er betreibt über seine Holding Berkshire Hathaway zusätzlich auch noch Rückversicherungsgeschäft. Außerdem gehört ihm Geico, einer der großen US-Versicherer.

Warren Buffett ist bekannt dafür, dass er sehr zielgenau, unbeirrt von gängigen Meinungen und mit hervorragendem Timing dort investiert, wo die Preise klein und die Chancen groß sind. Wenn der alte Mann gerade jetzt in den Versicherungssektor einsteigt, sollte das also ein Denkanstoß sein.

Privatanleger können freilich nicht so gezielt vorgehen wie Buffett. Der Milliardär ist ja - zum Beispiel bei der Schweizer Rück - noch mehr an den Vertragsbeständen als an den Aktien der Versicherer interessiert. Buffett will so unnötige Risiken vermeiden.

Möglicherweise sind aber auch die Aktien interessant. Die Branche hat in den letzten Monaten mitgelitten, als die Finanzkrise die Bankaktien auf Talfahrt schickte. Es gab auch Probleme bei einzelnen Versicherern im Zusammenhang mit der Krise, so bei der Schweizer Rück - die ansonsten Buffett sicher keine Verträge übertragen hätte - und beim US-Riesen AIG. Die Allianz ist indirekt durch ihre Tochtergesellschaft Dresdner Bank betroffen. Aber in der Breite scheinen die Versicherer doch ganz gut dazustehen. Bei der Münchener Rück kommt noch etwas Fantasie dazu, weil der schwedische Fonds Cevian dort eingestiegen ist. Im Moment weiß noch keiner so genau, was die Schweden wollen. Aber sie werden das Management in München auf Trab halten.

Freilich darf man auch die Risiken nicht übersehen. Die Prämien bröckeln in einigen Geschäftsbereichen. Wenn die Aktienmärkte schwächeln und die Zinsen niedrig bleiben oder noch weiter sinken, zehrt das am Kapitalanlageergebnis. Aber die Chancen sind eben auch nicht zu übersehen.

Einige Investoren schauen sich jetzt sogar die Aktien der angeschlagenen Anleiheversicherer in den USA an. Die Überlegung dabei: Selbst wenn ein solches Unternehmen schließen muss, weil ihm das Kapital - und damit das lebensnotwendige Rating - ausgeht, kann das ein gutes Geschäft für die Aktionäre werden. Denn dann wird der Versicherer abgewickelt, Vertrag für Vertrag, und dabei werden möglicherweise viel höhere Werte realisiert als heute im Aktienkurs zum Ausdruck kommt.

Freilich gilt auch: Die Aktien dieser Versicherer hat Buffett nicht gekauft. Er ist vorsichtig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%