Bulle & Bär
Wohn-Riester: Einfacher als gedacht

Gute Nachrichten für alle, die mit einem Eigenheim für das Alter vorsorgen wollen: Vor wenigen Tagen hat sich die Große Koalition in Berlin darauf geeinigt, dass der Staat auch die Beträge, die Sparer in die eigenen vier Wände stecken, im Rahmen der Riester-Rente bezuschusst. Und nun?

DÜSSELDORF. An die neue Förderung zu kommen ist - so wie es die Berliner Pläne jetzt vorsehen - einfacher, als es sich der Sparer vielleicht vorstellt: Wer im Rahmen eines Banksparplans oder Fondssparplans bereits riestert, kann den Vertrag ruhig fortführen, bis das geeignete Kaufobjekt gefunden ist. Die im Sparplan angesparte Summe darf nach Abschluss des Kaufvertrags sofort als Eigenkapital in das neue Eigenheim fließen. Der Sparer kann also in diesem Fall schon weit vor Rentenbeginn das angesparte Riester-Guthaben zu 100 Prozent ausgeben.

Nimmt der Käufer zur Finanzierung der eigenen vier Wände eine Hypothek auf, dann beteiligt sich der Staat fortan auch an den Tilgungen. Die Bank richtet ein Förderkonto ein, getilgte Beiträge bis 2 100 Euro im Jahr zählen wie fiktive Sparbeiträge auf einen Riestersparplan. Die Förderung funktioniert wie gehabt: Zulagen gibt es für jedes Familienmitglied, Bezieher höherer Einkommen können meist noch einen Betrag von der Steuer absetzen.

Eine Familie mit zwei Kindern etwa, Jahreseinkommen 45 000 Euro, könnte im Monat 150 Euro tilgen und würde aufgrund der Zulagen (678 Euro im Jahr) nur 91,92 Euro selbst bezahlen. Das dicke Ende kommt zu Rentenbeginn. Die geförderten Spar- und Tilgungssummen muss der Sparer dann entweder auf einen Schlag versteuern, oder er kann die fällige Steuer über einen längeren Zeitraum von maximal 23 Jahren abstottern (nachgelagerte Besteuerung). Für Geringverdiener lohnt sich meist die zweite Alternative. Wer ein hohes Renteneinkommen hat, für den könnte das Abzahlen auf einen Schlag lukrativer sein: dann gewährt der Staat 30 Prozent Steuernachlass.

Für Verwirrung dürften jetzt eine Unzahl neuer förderungswürdiger Produkte sorgen. Denn Finanzdienstleister möchten an der neuen Riesterförderung natürlich gerne mitverdienen. Dass auch Bausparverträge förderungswürdig werden, ist logisch. Sie haben aber tendenziell den Nachteil, dass sie in der Ansparphase einen sehr geringen Zins abwerfen.

Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen warnt vor allem vor Vertragskombinationen, bei denen der neue Eigenheimbesitzer auf die Tilgung seiner Bankhypothek verzichtet, dafür aber in einen Bausparvertrag einzahlt. Bei Fälligkeit wird dann die Hypothek vom günstigen Bauspardarlehen abgelöst. Solche Konstrukte verteuern häufig die Finanzierung, denn der Bausparvertrag bringt weniger Guthabenzinsen, als bei einer direkten Tilgung des Darlehens hätte gespart werden können. Gottschalk warnt: "Die steuerlichen Vorteile des Wohn-Riesterns werden durch die versteckten Kosten solcher Verträge sehr schnell aufgezehrt."

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