Bulle & Bär
Wohn-Riester: Mehr Freiheiten

Die Deutschen bekommen mehr Freiheiten beim Sparen fürs Alter. Tun es die Ländervertreter im Bundesrat ihren Berliner Bundestagskollegen wie erwartet gleich und segnen in dieser Woche den sogenannten Wohn-Riester ab, fördert der Staat das private Sparen für die Rente ab diesem Jahr nicht nur in Rentenversicherungen, Fonds- und Banksparplänen, sondern auch in Bausparverträgen.

FRANKFURT. Außerdem können förderberechtigte Angestellte, Beamte, Hausfrauen und Arbeitslose ihr erspartes Riester-Vermögen voll für den Bau, Kauf oder Umbau eines Eigenheimes einsetzen.

Vor allem Letzteres sorgt für Gemurre in der Finanzbranche: Die Konkurrenten aus der Fonds- und der Versicherungssparte empören sich, dass Riester-Sparer nun ihr gesamtes Kapital in eine Immobilie stecken dürfen. Sie sprechen von "Wohn-Konsum" und monieren, dass man "Steine nicht essen kann".

Der Grund für die Aufregung liegt auf der Hand: Nach zäher Anfangsphase hat sich das Riester-Sparen etabliert - viele Anleger stopfen damit einen Teil ihrer Rentenlücke. Ohne Protest will man die einkalkulierten Kapitalzuflüsse von schätzungsweise mindestens 400 Euro im Jahr der inzwischen mehr als elf Millionen Riester-Sparer nicht abtreten.

Ganz von der Hand weisen kann man die Branchenkritik nicht: Unzweifelhaft riskant, wenngleich nicht unüblich unter deutschen Häuslebauern ist es, alles Ersparte in eine Immobilie zu stecken. Viele denken vor allem an das verlockende mietfreie Wohnen und schieben einen möglichen Wertverlust, Instandhaltungskosten oder die Frage, welche Immobilie in dreißig Jahren zu ihnen passt, von sich.

Doch übersehen werden darf nicht, um welche Summen es beim Riestern geht: Gefördert werden bis zu 2 100 Euro Sparkapital im Jahr oder höchstens vier Prozent des Bruttoeinkommens. Wer fünfundzwanzig Jahre den Höchstbetrag einzahlt, kann mit einem gemischten Fonds aus Aktien und Anleihen der Erfahrung nach rund 100 000 Euro ansparen. Daraus kann er sich Berechnungen zufolge 25 Jahre lang 575 Euro im Monat auszahlen lassen, muss die Zahlung aber versteuern. Die Menschen müssen bekanntlich mehr für ein Rentnerdasein in Wohlstand tun als einen Riester-Vertrag zu bedienen, wenn die gesetzliche Rente in den kommenden Jahrzehnten auf die Hälfte des Niveaus ihrer Arbeitseinkommen abschmilzt.

Ein bisschen mehr Freiheit in Sachen Riester schadet aber nicht: Anleger sollten abwarten, was die ab Herbst erwarteten Riester-Bausparverträge bieten. Sollten sie ähnlich schwach verzinst werden wie aktuelle Bausparprodukte mit teils weniger als einem Prozent im Jahr, dürften sie schwerlich konkurrieren können. Wenig spricht dagegen, zunächst über Fonds Riester-Kapital anzusparen und auf langfristige Renditechancen zu setzen. Zur Rente kann man dann die passende Versorgung wählen: Rentenversicherung, Auszahlplan oder das Eigenheim, das darüber vielleicht schuldenfrei wird.

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