Bulle & Bär
Zertifikate boomen

Wenn sich ein Finanzprodukt verkauft wie warme Semmeln, dann will möglichst jeder in der Branche seine Rendite damit aufpolieren. Das boomende Segment der Zertifikate ist dafür ein treffliches Beispiel.

HB DÜSSELDORF. Zuerst waren es die Fondsgesellschaften, die das positive Image der Derivate für Privatanleger nutzten, um sie in eigenen Verpackungen zu verkaufen. Jetzt springt auch Deutschlands größter Versicherer, die Allianz, auf den Zug auf. Mit großer Marketingkampagne will der Konzern eine Lebensversicherung auf Basis eines Garantiezertifikats in den Markt drücken.

Dabei ist an dem Produkt vor allem der Name neu. Denn Policen, deren Verzinsung vom Verlauf eines Aktienindex abhängt, gibt es in Deutschland bereits seit knapp zehn Jahren. So bot beispielsweise die Gothaer seit 1997 neun Policen auf Basis von Dax und EuroStoxx 50 an.

Das Allianz-Produkt ist nun ein Garantiezertifikat im Lebensversicherungs-Mantel. Wer die Versicherung abschließt, zahlt einmal ein und lässt das Geld zwölf Jahre liegen. Zum Ende der Laufzeit gibt es eine Rückzahlung in Höhe des Standes des EuroStoxx 50 oder eine Mindestverzinsung von ein bis zwei Prozent pro Jahr, wenn der Aktienindex gefallen ist.

Für konservative Anleger mögen die Konditionen verlockend klingen. Ein Garantiezins zwischen 0,8 und 1,6 Prozent pro Jahr und zusätzlich die volle Partizipation an Kurssteigerungen des EuroStoxx sind aber auch am Zertifikatemarkt zu haben. Auf den .Am Zertifikatemarkt gibt es solche Papiere aber teilweise in noch besserer Ausstattung. So sind bei Nikkei-Garantiezertifikaten Partizipationsraten von bis zu 130 Prozent möglich – bei Komplettabsicherung gegen Verluste.

Der Haken der Garantieprodukte: Anleger erhalten vom Aktienmarkt nur die reinen Kursgewinne. Die Dividenden gehen an den Emittenten, der die Struktur damit finanziert. Zwar lassen sich die Dividenden der kommenden zwölf Jahre schwer vorhersagen – dass sie deutlich über dem Garantiezins der Versicherung liegen werden, dürfte sicher sein.

Der einzige Grund, die Konstruktion in eine Lebensversicherung zu verpacken, liegt auf der Steuerseite. Nach gültigem Recht muss nur ein Teil der Kursgewinne aus der Versicherung versteuert werden, im Zertifikat wäre alles steuerpflichtig.

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