Bulle & Bär
Zertifikatefonds: Existenzfragen

Die Zitterpartie um Steuerprivilegien für Zertifikatefonds geht in die nächste Runde: Das Bundeskabinett diskutiert laut Tagesordnung am nächsten Mittwoch über das Jahressteuergesetz 2009. In dessen Entwurf hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück Ungemach für die Anbieter der noch jungen, schwächelnden Fondssparte hineinschreiben lassen.

FRANKFURT. Der Minister will den erwarteten Bestandsschutz vor der Abgeltungsteuer für bis Ende 2008 gebildetes Zertifikatefondsvermögen kappen.

Dann stellt sich für diese Fonds auf Zertifikate oder denen nachgebildete strukturierte Derivate, die seit rund zwei Jahren verstärkt extrem sicherheitsbewussten Anlegern verkauft werden, die Existenzfrage. Denn das Steuerprivileg verhalf den Anbietern dieser mäßig ertragbringenden Produkte zuletzt noch zu einigen Milliarden Euro neuem Anlegergeld. Fällt der Steuervorteil, schwindet ihr aktuell wichtigstes Verkaufsargument.

Steinbrück will jene Investmentfonds, die angetreten waren, um mit Zertifikaten und Derivaten in allen Börsenphasen zu verdienen, steuerlich den Zertifikaten gleich stellen: Demnach sollen Anleger auf im Fonds erzielte Gewinne aus Zertifikaten Abgeltungsteuer zahlen, auch wenn sie die Fondsanteile bis Ende 2008 kaufen. Damit würden die Fonds wie Zertifikate besteuert. Sie stünden sich schlechter als andere Fonds, die Bestandsschutz genießen sollen.

Der Fondsverband BVI nennt diesen Schwenk denn auch einen "Vertrauensbruch". Hatte doch der Gesetzgeber erst im Jahressteuergesetz 2008 den Bestandsschutz für alle Fonds bestätigt.

Obwohl das Gesetz erst im Herbst verabschiedet wird und die Abgeltungsteuer politisch immer wieder für Überraschungen sorgt, reden die Zertifikatefonds-Anbieter bereits wieder laut über einen Ausweg. Einige große Anbieter wie HSBC haben angekündigt, dass sie in Zertifikatefonds verstärkt Terminmarktgeschäfte einsetzen wollen, die - bislang - in Sachen Abgeltungsteuer besser gestellt werden sollen. Ob sich die als intransparent kritisierten Fonds mit einer solchen komplexeren Derivate-Strategie besser verkaufen lassen, darf bezweifelt werden. Unzweifelhaft ungeschickt ist es, schon das nächste, ebenfalls noch schwebende Steuerprivileg anzupreisen, bevor der erste Steuervorteil überhaupt gekippt worden ist.

Für Anleger stellt sich generell die Frage, warum sie die eher erfolglosen Fonds überhaupt kaufen sollen. In der Finanzkrise zeigten sich die als Allwetterfonds angepriesenen Produkte überwiegend als wenig standfest. So verlor einer der zuletzt schwächsten Fonds, der "Cominvest Zertifikate Stars", in den vergangenen zwölf Monaten mit knapp 18 Prozent mehr als die Aktien des MSCI Deutschland. Auch konservative Produkte wie der "Allianz dit Deep Discount" vom Marktführer AGI, der über Discountzertifikate und Derivate anleiheähnliche Risiken eingeht, lagen im Minus. Dagegen machten selbst die oft renditemageren Euro-Rentenfonds ein Plus. Zertifikatefonds müssen ihre Existenzberechtigung erst noch nachweisen.

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