Bulle & Bär
Zinsanlagen: Hochprozentiges aus Island

Wenn es um die Optimierung von Tagesgeldanlagen geht, ist die Renditeberechnung für Anleger eine Mammutaufgabe: Mit Fußbällen, Tankgutscheinen und Barprämien trommeln die Anbieter, und natürlich kämpfen alle um den letzten Viertelprozentpunkt Zinsen mehr, für den viele Anleger bereit sind, gleich mehrere Konten zu eröffnen.

FRANKFURT. Statt Tankgutscheinen sollten Anleger allerdings im Zuge der Finanzkrise lieber ganz andere Aspekte in die Zinsberechnung einfließen lassen. Zum Beispiel, ob die in Aussicht gestellten Zinsen das Risiko einer Bankpleite ausreichend reflektieren.

So führt die Kaupthing-Bank derzeit die Vergleichslisten von Tagesgeldanbietern an. Die Isländer bieten für Tagesgeld eine Verzinsung von 5,65 Prozent pro Jahr. Für ein Jahr Festgeld erhalten Sparer 5,45 Prozent. Wie es indes um die Kreditwürdigkeit der Kaupthing-Bank bestellt ist, zeigt ein Blick auf den Markt für Kreditausfallversicherungen, den Credit Default Swaps. Dort müssen institutionelle Anleger, die sich über einen Zeitraum von einem Jahr gegen einen Zahlungsausfall der Kaupthing-Bank versichern wollen, derzeit eine Prämie von 13 Prozent der zu versichernden Summe bezahlen. Zum Vergleich: Die Prämie für eine Versicherung gegen einen Zahlungsausfall der krisengeschüttelten IKB-Bank über ein Jahr beträgt derzeit lediglich rund 5 Prozent.

Auch Renditen von bis zu 15 Prozent pro Jahr für Euro-Anleihen der Kaupthing-Bank sind ein Fingerzeig, den Isländern für nicht einmal halb so hohe Guthabenszinsen auf keinen Fall mehr als 20 900 Euro anzuvertrauen. Denn diese Summe ist über den isländischen Einlagensicherungsfonds abgesichert.

Angesichts der Skepsis institutioneller Marktteilnehmer ist es kein Wunder, dass die Kaupthing-Bank derzeit europaweit auf der Suche nach Spareinlagen ist. Die Kapitalaufnahme über Privatanleger ist für sie trotz optisch hoher Zinsen viel günstiger. Das gilt inzwischen auch für den Zertifikatemarkt. Rechtlich sind Zertifikate unbesicherte Inhaberschuldverschreibungen. Dennoch spielt die Bonität der Emittenten - gemessen an den Kreditversicherungsprämien - in der Kursstellung der Zertifikate keine Rolle.

Um sich über ein Jahr gegen einen Zahlungsausfall der Deutschen Bank abzusichern, zahlen Anleger derzeit 0,5 Prozent pro Jahr. Für eine Versicherung gegen die Pleite von ABN Amro sind 0,7 Prozent, für die UBS 0,8; für Goldman Sachs 1,7 und für Lehman Brothers acht Prozent der zu sichernden Summe pro Jahr fällig.

Im institutionellen Geschäft mit Zertifikaten ist es längst üblich, diese Unterschiede in den Preisen und Ausstattungsmerkmalen zu berücksichtigen. Kauft etwa der Manager eines Zertifikatefonds ein Zertifikat von einem Anbieter mit niedriger Kreditwürdigkeit, lässt er sich dies mit niedrigeren Kaufkursen vergüten. Anleger sollten es ihnen gleich tun und bei der Geldanlage insgesamt die Bonität weitaus stärker als bislang berücksichtigen.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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