Bulle & Bär
Zinsanlagen:Trügerische Sicherheit

Man kann es kaum glauben. Der Drang der Anleger nach Sicherheit nimmt völlig neue Dimensionen an. Bis zum Wochenende hatten manche Börsianer geglaubt, der Ansturm der Investoren auf Zinsanlagen und Anleihen sei kaum mehr zu steigern. Es kam anders.

INGO NARAT | FRANKFURT

Man kann es kaum glauben. Der Drang der Anleger nach Sicherheit nimmt völlig neue Dimensionen an. Bis zum Wochenende hatten manche Börsianer geglaubt, der Ansturm der Investoren auf Zinsanlagen und Anleihen sei kaum mehr zu steigern. Es kam anders. Getrieben von den neuesten Hiobsbotschaften aus der amerikanischen Finanzwelt sprangen die Bondkurse am Montag wie nie nach oben. Im Gegenzug kollabierten die Renditen, jede andere Beschreibung würde es nicht treffen: Die Effektivverzinsung der US-Staatspapiere sackte um 0,25 Prozentpunkte, die Bundesanleihe fiel bis gestern Abend ähnlich kräftig. In der Neuen Welt war es der stärkste Renditerutsch an einem Handelstag während der vergangenen Jahre.

Die hiesigen Staatstitel werfen jetzt wieder weniger als vier Prozent Rendite ab. Sie werden also immer unattraktiver. Aber es gibt ja noch das Sicherheitsdenken. In diesen Zeiten der Bankenpleiten und der Aktienkurseinbrüche suchen konservative Anleger den ultimativen Rettungsanker. Ihrer Meinung nach kann das nur die risikolose Zinsanlage sein. Hauptsache Geld zurück und kein Verlust. Nur das zählt.

Die Erinnerung an das Frühjahr ist geschwunden. In diesen Monaten waren die Renditen diesseits und jenseits des Atlantiks um bis zu einen Prozentpunkt geklettert. Inflationssorgen hatten sich ausgebreitet. Und in Zeiten starker Geldentwertung sind Zinsanlagen nun einmal ein schlechtes Geschäft. Aber das ist vorbei. Eine scharfe Konjunkturabkühlung zieht herauf und hat die Inflationssorgen vertrieben. Das Bankendesaster kommt noch obendrauf.

Es ist allerdings fraglich, ob Staatsanleihen ihrer Favoritenrolle langfristig gerecht werden können. Die immensen Kosten der Verstaatlichung von Finanzhäusern treiben die ohnehin eskalierenden Staatsverschuldungen in immer neue Rekordhöhen. Es geht um hunderte von Milliarden, wenn nicht gar um Billionen. Irgendwann werden insbesondere die Besitzer von US-Bonds misstrauisch werden, aussteigen und damit die Renditen nach oben treiben.

Für zinsfixierte konservative Anleger lohnt der Blick auf Alternativen. Dazu gehören erstklassige Unternehmensanleihen mit kurzen Restlaufzeiten. Ein Daimler-Bond mit Fälligkeit in drei Jahren wirft einen Jahreszins von fast sechs Prozent ab. Wer die Autoschmiede in der verbleibenden Zeitspanne nicht in den Bankrott fahren sieht, kann durchaus zugreifen.

Spannend erscheinen auch Wandelanleihen. Banken, Hedge-Fonds und andere Fonds mussten die Zwitter aus Aktie und Anleihe wegen ihres Kapitalbedarfs auf den Markt werfen. Deshalb sind die Renditen auf zweistellige Sätze gestiegen. Wer eine Firmenpleite für unwahrscheinlich hält, kann sich beispielsweise bei einer Heidelberger Druck oder einer IVG bei überschaubarer Laufzeit zweistellige Renditechancen einkaufen.narat@handelsblatt. com

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%