Bulle & Bär
Zinsanlagen: Von der DM zur EM

Sie heißt "Deutsche Mark", abgekürzt D-Mark oder schlicht DM. Die Rede ist von der Euro-Vorgängerwährung. Die D-Mark galt als Hort der Stabilität. Vielleicht ist es mehr als Nostalgie, wenn die Deutschen weiterhin Milliarden in der Altwährung unter ihren Matratzen vergraben haben. Einige Mitbürger zeigen sogar wachsendes Interesse an der ausrangierten Währung.

FRANKFURT. Es geht um eine kleine Minderheit. Man muss sie Exoten nennen. Banker berichten, dass hier und da Kunden mit einem ungewöhnlichen Wunsch an sie herantreten. Bei Auszahlungen in bar bitten sie um Banknoten mit deutscher Länderkennzeichnung. Scheine aus den als Problemländer empfundenen Mitgliedern der Euro-Zone sind ihnen ein Gräuel. Vor allem Italien, Spanien, Griechenland und Portugal gehen sie aus dem Weg.

Dahinter steht die skurrile Idee: Wenn der Euro-Raum wegen wachsender unterschiedlicher Entwicklung einmal platzen sollte, ist man in den stabilen Ländern am besten aufgehoben. Die meisten werden es nicht wissen: Jeder Schein trägt auf der Rückseite einen Nummerncode. Der länglichen Ziffernfolge ist ein Großbuchstabe vorangestellt. So steht ein "X" für Deutschland, ein "S" für Italien.

Dennoch wachsen in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten die Herausforderungen an eine gemeinsame Geldpolitik in der Vielländergemeinschaft. Die schwelende Kreditkrise kann diese Schwierigkeiten verschärfen. Das signalisieren auch die Anleihemärkte. Die Renditen der Staatsanleihen driften langsam auseinander. Italienische Bonds hatten vor vier bis fünf Jahren einen durchschnittlichen Vorsprung von 0,1 bis 0,2 Prozentpunkten vor den heimischen Bundestiteln. Danach kletterte der Abstand auf 0,2 bis 0,3, in den vergangenen Monaten gar Richtung 0,6 Prozent.

Banker werden sagen: Kein Grund zur Panik. Der italienische Staat ist nicht Bear Stearns. Und in der Tat haben Bondanleger und Geldbesitzer inklusive der Inhaber von Banknoten weit größere Herausforderungen zu bewältigen als über die theoretische Möglichkeit des Platzens einer Währungszone nachzudenken.

Die wachsenden Staatsverschuldungen im Kombipack mit zunehmender Inflation stellen Fans von Zinsanlagen vor die größten Probleme seit Jahrzehnten. Leider gibt es kein Patentrezept für Anlagen bei sinkenden Realzinsen - das heißt Nominalrendite abzüglich Geldentwertung. Kurzfristige Zinsanlagen, das Ausweichen auf ausgewählte Aktien sowie Rohstoffe sollten das Leiden immerhin lindern.

Und Otto Normalverbraucher wird sensibler gegenüber der heimlich an den Zinsen nagenden Geldentwertung. Dafür sorgen die rasant steigenden Preise für Energie und Nahrungsmittel. Die laufende Fußball-Europameisterschaft dagegen liefert eher den erwähnten Exoten Argumente: Das deutsche Team um Jogi Löw gewann sein erstes Spiel, während die Italiener beim Start sang- und klanglos untergingen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%