Bulle & Bär
Zukunftsvorsorge beginnt jenseits der eigenen Grenzen

Europa und Deutschland sind der Nabel der Welt. Für viele Anleger endet ihr Horizont auch heute noch an der eigenen Grenze. Das Problem ist: Lokalpatriotismus kostet die Anleger viel Geld. Und er wird Anleger in Zukunft noch mehr Geld kosten. Das gilt für alle Anlageformen, seien es Aktien, Anleihen oder alternative Investments.

HB FRANKFURT. Alte Weltkarten zeigten die erfahrbaren Länder. Aus europäischer Sicht bestand die Welt daher aus nicht viel mehr als eben diesem Kontinent. Heute kennen wir die wahren Abmessungen auf dem Planeten, sehen Europa und Deutschland als kleine Flecken. Auch wirtschaftlich wird der Kontinent damit auf den Status zurückgeführt, der ihm gemessen an seiner Flächengröße gebührt. Das liegt vor allem am fulminanten Aufstieg der Schwellenländer. China und Indien dürften in diesem Jahrhundert sogar die USA vom Spitzenplatz verdrängen.

Immer leitet eine Verlagerung der Wirtschaftsdynamik einen Paradigmenwechsel ein. So ist es kein Wunder, dass Amerikaner in der Milliardärs-Hitliste abrutschen. Es führt der mexikanische Telekom-Mogul Carlos Slim vor Bill Gates. Weit vorne ist auch der indische Stahlinvestor Lakshmi Mittal. Europäer oder gar Deutsche spielen in dieser Champions League der Mega-Reichen keine Rolle.

Wenn Deutschland in den vergangenen Jahren dennoch begehrt war, dann als Zielregion für ausländische Anleger, insbesondere für amerikanische Adressen. Der Kombi-Pack aus Reform-Agenda 2010 und Unternehmensverschlankung hinterließ Eindruck. Die Kehrseite der Medaille: Das Wohl und Wehe des deutschen Marktes hängt heute stark vom Verhalten ausländischer Investoren ab. Der derzeitige Politikschwenk ist bei diesen Investoren noch nicht angekommen. Das dürfte sich ändern. Wenn Ausländer dann Gelder abziehen, wird der Dax den anderen Indizes nicht mehr nach oben davonlaufen, sondern im internationalen Vergleich hinterherhinken.

Das ist zwar nur eine taktische Betrachtung, aber sie ist ein Zusatzargument für eine internationale Geldanlage. Die Chinesen sind Tausende von Kilometern von uns entfernt. Wir sehen sie nicht. Aber wir spüren ihr explosives Wirtschaftswachstum über die wachsende internationale Konkurrenz auch für deutsche Unternehmen, über den Druck auf Gewinnmargen, über Arbeitsplatzverluste bei schlecht vorbereiteten Firmen, durch steigende Rohstoffpreise.

Auch wenn die schwelende Kreditkrise die Märkte weiterhin in Atem halten wird: Langfristig denkende Anleger müssen einen größeren Teil der Gelder jenseits der eigenen Grenzen investieren. Zukunftsvorsorge beginnt in den Wachstumsregionen der Zukunft.

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