Bulle & Bär
Zum Jahresende drängt viel Geld an die Börse

Fast 200 Prozent musste der Dax zulegen, ehe endlich der Kurs von Schwergewichten wie Deutsche Telekom, Daimler-Chrysler und Siemens anspringt. Damit gewinnt der Aufschwung an Breite. Doch bekommt er auch mehr Tiefe? Zweifel sind angebracht. Anstelle harter Fakten gewinnen Phantasie und Hoffnungen die Oberhand.

DÜSSELDORF. Seitdem der Dax vor dreieinhalb Jahren seine Rally startete legen die Aktien all jener Unternehmen zu, deren Gewinne kräftig stiegen. Was zählt sind Umsatz, Gewinn und Marge. Vertreter der „Old Economy“ wie MAN, Conti und Thyssen-Krupp zählen zu den großen Gewinnern, weil sie gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Doch spätestens seit dem im August startenden Höhenflug der T-Aktie erfasst eine neue Welle den Börsenaufschwung – die der Zurückgebliebenen. Denn die Telekom legte kräftig zu, ohne dass sich – zunächst – Fundamentales änderte. Der Ex-Monopolist verdient zwar viel Geld, sticht mit einem starken Cashflow hervor und zahlt seinen Anlegern eine üppige Dividende. Doch es fehlt an Perspektiven, etwa wie der Konzern den Preisverfall und Kundenschwund stoppen will.

Ähnlich ist das Bild bei Daimler-Chrysler. Die Probleme der amerikanischen Tochter werden eher größer als kleiner. Unverändert buhlen zu viele Wettbewerber mit Dumpingpreisen um Kunden. Das treibt bisweilen die Umsätze, bringt aber lausige Margen.

Und doch ziehen die Kurse der Tanker an – und den Dax nach oben. Bei der Telekom mag der Aufschwung zumindest im Nachhinein ganz gut zu erklären sein: Anleger und vor allem Insider spekulierten frühzeitig auf die Zeit nach Kai-Uwe Ricke, dem Sanierer des einst hoch verschuldeten Konzerns.

Doch was ist mit dem 20-prozentigen Kursanstieg bei Daimler-Chrysler in nur drei Wochen? Wo verbessern sich da grundlegend die Perspektiven? Hier drängt sich eher der Verdacht auf, dass zum Jahresende viel Geld die Börse erreicht und noch schnell angelegt werden will.

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Kurse in etwa so stark wie Firmengewinnen steigen. Das ist nicht weiter schlimm, solange aus einst sehr preiswerten angemessen bewertete Aktien werden. Doch wenn dauerhaft Hoffnungen reale Fakten ablösen, droht Gefahr. So spekulieren Anleger bei Siemens auf hoch gesteckte Renditeziele. Bei der T-Aktie geht es um die Wette, dass Neu-Chef René Obermann das Ei des Kolumbus entdeckt, also zukunftsträchtige Geschäftsfelder. Bei Daimler-Chrysler setzen Mutige auf die Sanierung der US-Tochter und schlussendlich auf ein Happy-End der holperigen Ehe zwischen den Deutschen und Amerikanern.

Derartige Spekulationen zählen zwar zum Urgeschäft der Börse. Doch wer mehr auf die Zukunft als auf Zahlen spekuliert, kalkuliert auch höhere Risiken ein. Erfüllen sich die Träume nicht, droht Anlegern ein böses Erwachen.

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