Bulle & Bär
Zurück in die Realität

„Geht doch“, wird es jetzt wieder heißen. Und: „Nun wird endlich alles gut.“ Der Börsenstart des bayerischen Tiefbauspezialisten Bauer am gestrigen Tag verdeutlicht wieder einmal, wie wetterfühlig die Emissionskultur in diesem Jahr in Deutschland ist.

FRANKFURT. Wo am Montag nach der Absage von Wacker Construction noch „grau in grau“ angesagt war, herrscht plötzlich wieder eitel Sonnenschein. Bauer hat seinen lange wackeligen Börsengang (IPO) am Ende durchgezogen. Zwar kam man nach zähem Ringen mit den Investoren mit 16,75 Euro fast am unteren Ende der Preisspanne von 16,50 bis 21,50 Euro an den Markt. Nach dem ersten Kurs von 16,60 Euro ging es aber geradewegs nach oben. Zeitweise lag die Aktie fünf Prozent im Plus.

Mit Bauer kommt nun aber weder der Stimmungsumschwung für die deutsche IPO-Konjunktur, noch lässt sich die Aktie gar als Wegbereiter für eine neue Emissionswelle betrachten. Stattdessen haben in diesem Fall schlicht und einfach Angebot und Nachfrage zusammengefunden. Die profane Erkenntnis, dass dies für einen erfolgreichen Börsengang nötig ist, schien vielen am Kapitalmarkt in den letzten Monaten abhanden gekommen zu sein. Vor allem die Emittenten, die lange Zeit sehr gute Preise für ihre Aktien erzielen konnten, waren zu verwöhnt und taten sich schwer mit den neuen Zeiten, die mit dem Kursrutsch ab Mitte Mai begonnen hatten. Mit einiger Verzögerung sind auch sie in der Realität angekommen.

Bauer ist hierfür nur ein Beispiel. Mit der breit gefassten Preisspanne von 16,50 bis 21,50 zeigte das grundsolide und wachstumsstarke Unternehmen zu Beginn der Zeichnungsfrist, was Wunsch ist und was wohl Wirklichkeit werden wird. Wacker Construction wäre bei ähnlichen preislichen Zugeständnissen wohl auch an der Börse zu platzieren gewesen. Doch hier wartet man lieber auf bessere Börsenzeiten und damit auf bessere Preise.

Gewagt ist dieses Spiel auf alle Fälle. Denn so wenig vorhergesagt werden kann, wann diese Zeiten denn kommen, genauso wenig lässt sich einschätzen, ob das Unternehmen oder die Branche dann noch den ähnlichen Stellenwert bei Investoren genießen werden wie im Moment.

Fakt ist: Der Markt für Aktienemissionen, der zu Jahresbeginn ein reiner Verkäufermarkt war, erlebt im Moment einen deutlichen Schwenk. Allerdings nur in die Richtung, dass sich Käufer und Verkäufer nun auf Augenhöhe gegenüber stehen. Wo diese Einsicht angekommen ist, dessen Aktien lassen sich prima an der Börse platzieren. Wo dies nicht der Fall ist, für den könnte das Hoffen auf bessere Zeiten zu einem langwierigen Unterfangen werden. Die Phase dauerhaft steigender Kurse, wie es sie in den letzten drei Jahren gab, ist wohl endgültig vorbei. Fakt ist aber auch: Von einem Käufermarkt, wie es ihn vor zwei Jahren bei den Emissionen der Postbank oder von Wincor Nixdorf gab, sind wir ebenfalls weit entfernt.

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