Bulle & Bär
Zwei Welten

Es ist schon paradox: Wer sich die Märkte für Unternehmensanleihen ansieht, könnte meinen, die nächste Rezession stünde kurz bevor. Wer auf die Aktienmärkte schaut, sieht dagegen eine noch recht heile Welt. Was ist passiert?

FRANKFURT. Die Risikoprämien für Firmenbonds sind kräftig nach oben geschnellt. Besonders deutlich lässt sich das bei Derivaten auf riskantere Papiere ablesen: Die Aufschläge des I-Traxx-Crossover-Index mit fünf Jahren Laufzeit lagen diese Woche in der Spitze bei 324 Basispunkten und damit satte 65 Prozent über dem Stand vor vier Wochen.

Der Index bildet die Entwicklung von Credit Default Swaps (CDS) auf 50 europäische Unternehmen wie Fiat oder Tui ab, deren Bonität die Ratingagenturen als relativ schwach einstufen. Mit CDS können sich Investoren ähnlich wie bei einer Versicherung gegen Ausfälle von Unternehmensanleihen schützen. Risikoaufschläge von 324 Basispunkten im I-Traxx-Crossover bedeuten, dass Anleger 324 000 Euro zahlen, um ein zehn Mill. Euro schweres Index-Portfolio abzusichern.

Die Aktienmärkte gingen dagegen nur zwischenzeitlich ganz leicht in die Knie, nachdem zuvor der Dax und der Dow Jones neue Allzeithochs markiert hatten.

Auslöser der Turbulenzen bei Firmenbonds und Derivaten sind die generelle Schwäche des US-Immobilienmarktes und die Zahlungsausfälle der schwachen privaten Hypothekenschuldner, der so genannten Subprime-Kunden. Die Hypothekenkredite wurden von Investmentbanken in handelbare Anleihen umverpackt. Diese mit den Subprime-Krediten gedeckten Papiere stehen nun im Feuer. Die Ratingagenturen stufen die Papiere reihenweise herab, und zwei große Hedge-Fonds von Bear Stearns haben sich mit ihnen spektakulär verspekuliert.

Die Käufer von Unternehmensbonds fürchten nun, dass die Krise weitere Kreise zieht. So könnte der schwache Immobilienmarkt den schuldenfinanzierten Konsum der amerikanischen Verbraucher - einen der Hauptstützpfeiler der US-Konjunktur - bremsen. In dieser Woche hat auch US-Notenbankpräsident Ben Bernanke eingeräumt, dass die Subprime-Krise Gefahren für die amerikanische Wirtschaft bergen könnten.

Die Investoren am Aktienmarkt setzen dagegen darauf, dass die Subprime-Krise ein isoliertes Ereignis bleibt. So zeigten sich in der Juli-Umfrage von Merrill Lynch die befragten 186 Fondsmanagern so optimistisch wie seit 16 Monaten nicht mehr.

Die US-Bank Morgan Stanley zeigt allerdings auf, dass die Firmenbonds schon mehrmals einer Korrektur an den Aktienmärkten vorausliefen. 1987, 1991, 1998 und 2000 stiegen jeweils die Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen deutlich, bevor später die Aktienmärkte ebenfalls einbrachen. Zumindest die auf Sicherheit bedachten Anleger sollten daher auf die Warnungen von der Anleiheseite hören.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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