Bulle & Bäre
Die Fünf vor dem Komma

FRANKFURT. Anleihen von Daimler-Chrysler, Lufthansa, Continental, KPN und Telecom Italia sind nicht unbedingt Zinspapiere, die Privatanleger jetzt kaufen müssen. Größe, Bekanntheitsgrad und Ratings im vergleichsweise sicheren Investment-Grade lassen einen Zahlungsausfall der Firmen zwar in absehbarer Zeit unwahrscheinlich erscheinen. Dafür sind die Renditen der Bonds aber auch nicht gerade üppig. Für fünfjährige Bonds der Firmen gibt es gerade mal zwischen 4,4 und 4,8 Prozent Rendite.

Die DZ Bank bietet für diese Anleihen, in hübscher Verpackung, immerhin einen Festzins von fünf Prozent. Das wirkt auf den ersten Blick attraktiv. Die Fünf Prozent für eine fünfjährige Laufzeit gibt es aber nur, wenn Anleger die Kreditrisiken aller fünf Unternehmen in einem Wertpapier kaufen. Das hat Tücken. Bei Privatanlegern kommen die Papiere trotzdem gut an; die so genannte Cobold-Anleihe ist bereits das Papier Nummer 71 der Genossen, das nach einem bestimmten Muster funktioniert.

Cobold steht für Corporate Bond Linked Debt und ist ein Derivat. Zugrunde liegen ihm keine tatsächlichen Anleihen, sondern so genannte Credit Default Swaps (CDS) – eine Art handelbare Ausfallversicherung für Anleihen. Diese rentieren zum Teil höher als die Bonds und machen deshalb die etwas höhere Verzinsung der Cobold-Anleihen möglich.

Das Papier fällt aus, wenn eines der fünf Referenzunternehmen insolvent wird, seine Schulden nicht bedient oder umstrukturiert. Dann bekommen Anleger statt ihres Geldes Bonds des entsprechenden Unternehmens. Wenn Anleger fünf einzelne Anleihen kaufen, haben sie ein geringeres Risiko, weil sie ihr Portfolio so streuen. Bei der Cobold-Anleihe werden die Risiken dagegen kumuliert.

Eine Rendite mit einer Fünf vor dem Komma könnte es bald auch schon bei einigen der einzelnen Bonds mit Laufzeit um die fünf Jahre geben. Seit Anfang des Monats sind die Kurse der Anleihen von Daimler-Chrysler und Co. schon gefallen und ihre Renditen entsprechend gestiegen. Und weitere Renditeanstiege sind gut möglich, denn vier der fünf Referenzunternehmen des neuen Zinspapiers machen derzeit eher durch negative Schlagzeilen auf sich aufmerksam.

Daimler-Chrysler hat wegen Problemen bei Chrysler die Gewinnprognose für das laufende Jahr gesenkt. Telecom Italia steht vor einer Umstrukturierung und will unter anderem das rentable Mobilfunkgeschäft abstoßen. KPN hat zuletzt gute Zahlen vorgelegt, dafür schwebt über dem niederländischen Telekomkonzern die Gefahr einer kreditfinanzierten Übernahme. Noch stärker gilt das für Continental. Der Automobilzulieferer hat zwar gerade das Angebot eines Finanzinvestors abgelehnt. Spekulationen über weitere Offerten halten sich aber und dürften auch den Kurs der neuen Cobold-Anleihe weiter belasten. Seit der Emission vor gut einer Woche hat das Papier bereits etwas an Wert verloren.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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