Bulle & Bär
Deutsche Anleihen sind nicht so attraktiv wie ihr Ruf

Fast täglich werden deutsche Bundesanleihen von Analysten und Fondmanagern über den grünen Klee gelobt. Tatsächlich aber haben sich die Papiere so atemberaubend aber gar nicht entwickelt.
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FrankfurtDeutsche Bundesanleihen seien „das Beste“, was man derzeit an Staatsanleihen bekommen könne. So oder ähnlich äußern sich Analysten und Fondsmanager derzeit fast täglich – die Papiere seien ein „sicherer Hafen“, schwärmen sie. Gemeint ist damit, dass die Zahlungsfähigkeit Deutschlands außer Zweifel steht und Anleger – zumindest aus derzeitiger Sicht – sicher sein können, ihr Geld zurückzubekommen. Und das ist in der Tat ein hohes Gut in Zeiten, in denen die Politik gerade um eine Umschuldung Griechenlands ringt, Portugal und Irland ähnliche Schicksale drohen, und selbst Spanien und Italien in den Krisenstrudel geraten sind.

So toll wie es scheint, haben sich die Bundesanleihen aber gar nicht entwickelt. Fakt ist: Seit Jahresanfang sind lediglich die Kurse von Bundesanleihen mit einer Laufzeit um die zehn Jahre gestiegen, und das auch nur mäßig. In den sich gegenläufig zum Kurs entwickelnden Renditen ausgedrückt heißt das: Am Jahresanfang gab es für eine zehnjährige Bundesanleihe knapp drei Prozent Rendite, jetzt sind es knapp 2,8 Prozent.

Bei zweijährigen Bundesanleihen ist der Kurs sogar deutlich gefallen und die Rendite seit Januar von knapp 0,9 auf 1,3 Prozent gestiegen. Fünf- und 30-jährige Bundesanleihen hielten sich mehr oder weniger stabil. Bis zum Mai sah die Bilanz für die Bundesanleihen sogar noch schlechter aus. Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe erreichte ihr Jahreshoch mit 1,9 Prozent, die Rendite der zehnjährigen stieg auf bis zu 3,5 Prozent.

Erst seither haben die Ängste um Griechenland, Portugal und Co den Bundesanleihen aller Laufzeiten wieder eine erhöhte Nachfrage beschert. Gleichzeitig hat aber die Europäische Zentralbank (EZB) seit April bereits zweimal die Leitzinsen angehoben, und zwar von einem auf inzwischen 1,5 Prozent. Das zog vor allem die Renditen der kurzlaufenden Bundesanleihen mit nach oben. Da die EZB wegen der Inflationsgefahren noch weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt hat, dürften auch die Renditen der kurzlaufenden Bundesanleihen weiter anziehen. Und mittelfristig dürfte sich das höhere Leitzinsniveau auch auf die länger laufenden deutschen Staatsanleihen auswirken; die Schuldenkrise hat den Effekt lediglich verzögert.

Fazit: Bundesanleihen sind keine attraktive Anlage, auch wenn zumindest kurzlaufende Bundespapiere jetzt mehr Rendite als zu Jahresbeginn bieten. Mit Blick auf die Inflationsrate von zuletzt 2,7 Prozent machen Anleger aber mit fast allen deutschen Staatsbonds ein Minusgeschäft. Von daher ist ihr Kauf lediglich besser als das Geld gar nicht anzulegen und so komplett auf Erträge zu verzichten. 

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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