Bundesanleihen
Trau’ keinem über 30

Wer 1997 eine Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit gekauft hat, bekam eine ansehnliche Rendite von knapp sechs Prozent und musste nicht groß um sein Kapital zittern. Doch das ist heute ganz anders.

FRANKFURT. Das Papier von 1997 wird im Sommer zu 100 Prozent zurückgezahlt, und Deutschland hat immer noch das Best-Rating „AAA“, entsprechend einem extrem geringen Ausfallrisiko.

Wer heute eine zehnjährige Bundesanleihe kauft, bekommt nur noch eine Rendite von gut vier Prozent und damit nur wenig mehr als für eine zweijährige Bundesanleihe oder Festgeld. Auch Staatsanleihen mit Laufzeit von 30 Jahren bieten nur knapp 0,2 Prozentpunkte mehr Rendite als zwei- und zehnjährige Bonds. Dabei ist deren Entwicklung nur schwer einzuschätzen. Vor 30 Jahren stand zum Beispiel die zweite Ölpreiskrise noch bevor, die die Kurse von Staatsbonds zeitweise deutlich drückte und umgekehrt die Renditen nach oben schnellen ließ.

Noch längere Laufzeiten als 30 Jahre sind deshalb bei Staaten selten. Eine 50-jährige Anleihe gab es vor gut zwei Jahren erstmals aus Frankreich. Sie bietet nicht mehr Rendite als der 30-jährige französische Bond. Von der Rendite her wenig attraktive Ultra-Langläufer gibt es zudem aus Großbritannien und Polen.

Dass die Unsicherheit mit der Laufzeit steigt, gilt noch mehr für Unternehmensanleihen. Neben den Risiken von Zinsentwicklung und Inflation kommen bei Firmen noch Gefahren von Gewinnneinbrüchen, Fusionen und fremdfinanzierten Übernahmen hinzu. Und die Ratings lassen sich über eine so lange Zeit kaum abschätzen. So hatte vor 16 Jahren der inzwischen arg kriselnde Autobauer General Motors von der Ratingagentur Standard & Poor’s noch die Spitzen-Note „AAA“.

Allen Risiken zum Trotz konnte in der vergangenen Woche die britische Einzelhandelskette Tesco eine Anleihe über 600 Mill. Euro platzieren, die erst in 40 Jahren fällig wird. Dabei bietet der Bond nur 0,85 Prozentpunkte mehr Rendite als das schon in drei Jahren fällige auf Euro lautende Tesco-Papier. Im Vergleich zur 30-jährigen Bundesanleihe liegt der Aufschlag bei knapp einem Prozentpunkt; dabei hat Tesco Ratings im Bereich Einfach-A – zwar eine gute Bonität, ist aber nicht über jeden Zweifel erhaben.

Dass der Tesco-Langläufer dennoch gefragt war, hängt damit zusammen, dass institutionelle Investoren völlig anders vorgehen als Privatanleger. Profi-Investoren setzen bei Bonds auf Kursgewinne und verkaufen sie deshalb auch vor der Fälligkeit. Auch Lebensversicherer, die zunehmend danach streben, ihre Auszahlungsverpflichtungen mit den Anlagen in Einklang zu bringen, gieren nach Langläufern.

Neben dem Tesco-Bond gibt es in Euro nur noch einen Ultra-Langläufer. Vor knapp zwei Jahren wagte sich Telecom Italia mit einer 50-jährigen Anleihe an den Markt. An diesem Papier hatten Investoren bislang aber wenig Freude. Seit der Emission ist der Kurs von knapp 100 Prozent auf gut 85 Prozent gefallen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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