Bundeswertpapiere
Für Privatanleger unattraktiv

Momentan lohnt es sich für Privatanleger nicht dem deutschen Staat Geld zu leihen. Erstmals seit 53 Jahren ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihe, real gesehen, ins Negative gerutscht.
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FrankfurtSicherheit und hohe Erträge gehören zu den ewigen Wunschträumen privater Anleger, glaubt man den Randbemerkungen von Finanzberatern. Zu deren täglichem Geschäft gehört es zu erklären, das sich beides beim Geldanlegen per Definition ausschließt. Denn kein solider Schuldner zahlt exorbitante Zinsen, wenn er das geliehene Kapital zu einem festen Zeitpunkt zurückgeben muss.

Dass Anleger infolge der Massenflucht in sogenannte sichere Häfen sogar Vermögen verlieren, wenn sie dem deutschen Staat Geld leihen, sollte ihnen zu denken geben. Erstmals seit mehr als 53 Jahren ist die Rendite des Leit-Wertpapiers für den hiesigen Kapitalmarkt, die zehnjährige Bundesanleihe, real – also bereinigt um die Inflationsrate  – ins Minus gerutscht. Die extrem hohe Nachfrage nach Wertpapieren, deren Rückzahlung aus heutiger Sicht als unumstritten gilt, trieb den Kurs des Bundeszinspapiers in die Höhe und ließ dessen Rendite im Gegenzug auf 2,39 Prozent sinken. Da aber die Verbraucherpreise in Deutschland im Juli um 2,4 Prozent gegenüber dem Vormonat geklettert sind, kann ein Anleger mit der Bundesanleihe nun nicht einmal mehr seinen Kaufkraftverlust ausgleichen. Bei Bundeswertpapieren mit kürzerer Laufzeit sind die Renditen deutlicher negativ: Ein zweijähriger Bond bringt real einen Verlust von - 1,4 Prozent.

Festgeld bringt kleine Erträge

Nun gehören viele dieser börsennotierten Bundestitel großen institutionellen Investoren wie Versicherungen oder Investmentfonds. Diese schätzen an den sicheren Papieren, dass sie diese jederzeit sofort in Bares umwandeln können, und wollen kurzfristige Kursausschläge nutzen. Aber auch die vor allem von privaten Anlegern gekauften Bundesschatzbriefe zehren real am Vermögen des Besitzers. Im ersten Jahr beträgt die Real-Rendite -1,65 Prozent. Selbst nach sechs Jahren bleibt der reale Ertrag negativ mit -0,7 Prozent pro Jahr.

Wer also sein Geld vor Schwankungen der Börse bewahren will, sollte es eher auf seinem Bankkonto parken. Dort gibt es wieder bis zu drei Prozent Zinsen für Jahresfestgeld, vereinzelt auch für Tagesgeld. Das ist nicht üppig, aber zumindest auch real ein kleiner Ertrag. Damit das Geld auch sicher angelegt ist, sollte die Bank Mitglied in einer deutschen Einlagensicherungseinrichtung sein. Diese schützen Anlagekapital in der Regel in Millionenhöhe. Ansonsten gilt der gesetzliche Einlagenschutz der EU bis zu einer Summe von 100 000 Euro. Wer demnach sein Geld sicher anlegen und nicht real draufzahlen möchte, kommt mit Wertpapieren des Bundes nicht weit. Tages- oder Festgeld solider Anbieter bringt vorübergehend akzeptable Renditen. Als strategische Geldanlage sind die Geldparkplätze nicht geeignet.  
 

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