BVB-Aktie
Schwarz-gelbe Tristesse

In Dortmund geht die Angst um. Zehn Jahre nach dem Triumph in der europäischen Champions’ League steht der BVB vor dem Abgrund. Ganze zwei Punkte trennen den Klub von Platz 16, der den Abstieg in die zweite Liga bedeuten würde. Am Aktienmarkt hat die Borussia diesen Absturz bereits hinter sich.

FRANKFURT. In seiner Not hat der BVB bereits zwei Mal den Trainer gewechselt. Nach Bert van Marwijk und Jürgen Röber soll jetzt Thomas Doll den endgültigen sportlichen Absturz verhindern.

Am Aktienmarkt hat die Borussia diesen Absturz bereits hinter sich. Vom Ausgabekurs bei elf Euro am 31. Oktober 2000 ist die BVB-Aktie über die Jahre kontinuierlich zurückgefallen. Mit Kursen unter 1,80 Euro markierte sie in dieser Woche ein weiteres Allzeittief.

Dabei wollte der Verein den deutschen Profi-Fußball mit dem Gang an die Börse in ein neues Zeitalter führen. Doch dieser stand vom ersten Tag an unter schlechten Vorzeichen; schon in der Zeichnungsphase fanden sich nicht genügend Käufer für die 13,5 Millionen BVB-Aktien, weshalb die Deutsche Bank ein großes Paket in ihre Bücher nahm. Über den Verleger Norman Rentrop landete das Paket 2004 beim Hedge-Fonds-Investor Florian Homm. Der Einstieg des Spekulanten gab den Anlegern neuen Mut; allein dem Aktienkurs, der inzwischen in den Bereich um 2,50 Euro gefallen war, half er nicht auf die Sprünge.

Dass die Börse richtig lag und Homm falsch, zeigte sich wenige Monate später im Februar 2005, als das wahre Ausmaß der Borussia-Krise zum Vorschein kam. Der Verein hatte drastische Verluste angehäuft, mit der Stadionmiete war er im Verzug. Ohne gravierende Zugeständnisse der Gläubiger gäbe es den BVB heute gar nicht mehr.

Aus der ganz tiefen Krise hat sich die Borussia immerhin befreit. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2006/07 schaffte das Unternehmen mit einem Vorsteuer-Ergebnis von 8,2 Millionen Euro sogar den Sprung in die Gewinnzone – unter anderem dank der Ablösesumme in Höhe von 6,5 Millionen Euro für Nationalspieler David Odonkor. Dem Kurs der BVB-Aktie hat aber auch das bisher nicht geholfen. Im Gegenteil: Die sportliche Krise hat sie weiter gen Süden geschickt.

Inzwischen verliert offenbar auch Florian Homm die Lust an seiner BVB-Spekulation. Er hat seinen Anteil am Verein von mehr als 25 auf rund 15 Prozent verringert. Stattdessen meldete diese Woche die Schweizer Großbank Credit Suisse, dass sie mehr als fünf Prozent der Aktien hält.

Spekulative Anleger vermuten hinter den Aktienkäufen der Schweizer einen neuen Investor und hoffen einmal mehr auf ein Ende der Talfahrt, zumal die BVB-Aktie tatsächlich günstig zu haben ist. Dem aktuellen Kurs von 1,80 Euro steht ein Eigenkapital von 1,60 Euro je Aktie entgegen.

Die meisten Anleger werden Spekulationen über Anteilskäufe allerdings ebenso kalt lassen wie Bilanz-Kennzahlen. Maßgeblich ist für sie die sportliche Entwicklung. Und die lässt ein Urteil ganz sicher zu: Sollte der BVB in die zweite Liga absteigen, wird sich die schwarz-gelbe Börsentristesse noch verstärken.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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