Cap Gemini Ernst & Young kämpft mit Altlasten
Vertrauenskrise

Es ist meist einfacher, anderen kluge Ratschläge zu geben, als sie auch selber zu beherzigen. Auch Berater, die sich ihre Ratschläge bezahlen lassen, sind davor nicht gefeit. So geht es der französischen Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young (CGEY), Europas Marktführer für Consulting in der Informationstechnologie.

PARIS. Die Firma fusionierte noch mit Ernst & Young, als die IT-Blase bereits zum Zerreißen gespannt war: CGEY hat sich überfressen. Nun ist sie in der Konjunkturkrise mit Integration und Restrukturierung überfordert. Für die Aktie verspricht das kaum Aufschwungpotenzial.

Wie die Aktien anderen IT-Firmen hat es auch die von CGEY seit März 2001 kräftig durchgeschüttelt. Bis zu 95 % sackte das Papier von seinem Höchstkurs von fast 250 Euro ab – derzeit notiert es dank eines schwachen, aber stetigen Aufwärtstrends bei knapp 40 Euro. Doch die Erholung täuscht: Der Blue-Chip CGEY – 52 000 Beschäftigte erwirtschafteten im vergangenen Jahr 7 Mrd. Euro Umsatz - ähnelt immer wieder einem Zocker-Papier. Mehrfach ließen Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung den Kurs zuletzt einknicken.

Das Vertrauen ist hin. Nur wenige Analysten erwarten positive Nachrichten, wenn Cap-Gemini-Chef Paul Hermelin am Donnerstag die Halbjahresergebnisse vorlegt. Selbst die Verhandlungen um eine Übernahme des französischen Konkurrenten Transiciel, die CGEY vergangene Woche bestätigte, brachten dem Aktienkurs kaum Auftrieb. Seine 565 Mill. Umsatz-Euro erzielt Transiciel im Niedrig-Qualität-Bereich wie der Einrichtung einfacher Netzwerke.

Der Markt für „High-end“-IT-Beratung wird dagegen härter. Neben den klassischen Beratungsgesellschaften wie Cap Gemini, Accenture oder Bearing Point (ehemals KPMG Consulting) entdecken zunehmend Computer- und Softwareriesen sein Potenzial. IBM übernahm kürzlich Teile von Pricewaterhouse Coopers. Der Softwareexperte SAP bietet mittlerweile eine komplette Servicepalette von der Anfangsberatung über die Installation bis zum Kundendienst an.

Wenn sich immer mehr Anbieter in einem stagnierenden Markt kabbeln, brechen die Gewinnmargen ein. 2002 brachte es CGEY nur noch auf 1,6 %, der Betriebsverlust explodierte auf 514 Mill. Euro. Nach einer Studie von Forrester Research sind die einst üppigen Stundenlöhne der Unternehmensberater seit 2001 um bis zu 40 % gefallen.

Im ersten Halbjahr 2003 dürften zwar die umfassenden Restrukturierungen, die Cap-Gemini-Chef Hermelin seinem Haus verordnet hat, greifen. Hermelin entließ fast 5 000 Mitarbeiter. Wie CGEY aber die versprochenen 5 % Gewinnmarge noch in diesem Jahr erreichen will, erscheint vielen Analysten schleierhaft. Immer mehr stuften die Aktie jüngst herunter.

Die verbliebenen Optimisten lo-ben, dass die Auftragseingänge wie-der gestiegen sind und der IT-Sektor zu einem der ersten gehören dürfte, der von einem Konjunkturaufschwung profitiert. Steigen Umsätze und Gewinne, investieren Unternehmer oft zunächst in die Verbesserung ihrer existierenden Produktionsstrukturen, ehe sie neue Fabriken bauen – Prozessoptimierung ist das Kerngeschäft von CGEY. Auch hat sich Cap Gemini endlich durchgerungen, das Outsourcing-Geschäft aufzuwerten. Immer mehr Unternehmen gehen dazu über, bestimmte Tätigkeiten im IT-Sektor dauerhaft externen Anbietern zu übertragen. Mitte Juli übernahm CGEY zwei darauf spezialisierte Unternehmen in Polen und China. Da Outsourcing-Deals meist mit langjährigen Verträgen verbunden sind, stabilisieren sie die Umsätze – das beruhigt Börsianer. Dennoch: Die strukturellen Probleme von Cap Gemini überwiegen. CGEY-Chef Hermelin gibt das auch zu: „Es ist das härteste Marktumfeld, das ich je gesehen habe.“ Bisher hat er wenig Gründe geliefert, warum Cap Gemini besser abschneiden sollte als die Wettbewerber.

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