Chancen und Risiken der Rückversicherer sind für Anleger derzeit nur schwer einzuschätzen
Naturgewalten im Depot

DÜSSELDORF. Naturkatastrophen bringen Rückversicherer regelmäßig in die Schlagzeilen – so auch diesmal nach den beiden Hurrikanen „Katrina“ und „Rita“ in den USA. Die Assekuranz muss Milliarden zahlen. Viele Gesellschaften dürften 2005 einen deutlich geringeren, einige überhaupt keinen Gewinn erzielen. Allein diese Entwicklung sollte aber keinen langfristig orientierten Anleger vom Kauf von Rückversicherungsaktien abschrecken. Schließlich basiert das Geschäftsmodell auf dem Risiko. So treiben Schäden die Nachfrage nach Versicherungen in die Höhe, ebenso die Preise. Beides ist gut für den Gewinn der Gesellschaften und deren Aktionäre. Wenig verwunderlich ist deshalb, wenn Rückversicherer diese Trends gerne hervorheben, schließlich verhandeln Münchener Rück & Co in diesem Wochen mit ihren Erstversicherungskunden über die Prämien für das kommende Jahr in der Schaden- und Unfallversicherung – darunter fällt das Naturkatastrophengeschäft.

Gleichwohl können Anleger nicht so sorglos wie in früheren Zeiten bei großen Rückversicherungsadressen zugreifen. Der Grund dafür ist die erschreckend hohe Unsicherheit in den Schadensszenarien der Rückversicherer. Eben erst musste die Münchener Rück ihre Schadensschätzungen für die jüngsten Hurrikane auf 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro fast verdreifachen. Eine Ursache dafür sind sicher die frühzeitigen Prognosen, welche die Rückversicherer heute nach großen Schadensfällen oft schon wenige Stunden später bekannt geben. Die Börse wünscht sich diese frühen Bekanntgabe von Daten. Doch deren Wert wird fragwürdig, wenn die Schäden am Ende weit über den ersten Schätzungen liegen. Die Rückversicherer müssen aufpassen, dass sie nicht an Glaubwürdigkeit verlieren.

Viel gravierender sind jedoch die aufkeimenden Zweifel an der Brauchbarkeit der Schadensszenarien, welche selbst Branchenvertreter hinter vorgehaltener Hand äußern. Dabei geht es weniger um die eigenen Modellrechnungen, sondern um die Daten, welche die Rückversicherer häufig von externen Dienstleistern kaufen. Wenn die Datenbasis falsch wäre, dann müssen es die darauf aufbauenden Schadensszenarien zwangsläufig auch sein. Schon begründet die Ratingagentur Standard & Poor’s den nun auf negativ gestuften Ausblick für die Branche nicht nur mit dem durch „Katrina“ teuersten Schaden der Assekuranz-Geschichte, sondern auch mit der Schwierigkeit für die Rückversicherer – trotz aufwendiger Modellrechnungen – die Schäden korrekt einzuschätzen. Die Zweifel muss die Branche so schnell wie möglich zerstreuen, denn sie berühren ihr Fundament. Wenn sich Schäden nicht korrekt kalkulieren lassen, dann gilt dies umso mehr für die Versicherungsprämien.

Eine Unsicherheit ergibt sich dieser Tage aus dem Geschäft der Rückversicherer untereinander. Es ist unbekannt, wie groß das Rad ist, das Rückversicherer untereinander drehen, um Katastrophenrisiken zu managen. Über diesen Retrozessionsmarkt gibt es keine verlässlichen Zahlen. Als größte Spieler gelten die US-Gesellschaft Berkshire Hathaway sowie die Londoner Versicherungsbörse Lloyd’s. Nach einer groben Formel landet bei hohen Schäden wie „Katrina“ ein überproportional großer Anteil auf dem Retro-Markt. Schwierig wird es, wenn ein Rückversicherer dann ausfällt. Für die Anleger ist es in jedem Fall schwierig, bei all diesen Entwicklungen den Überblick zu behalten.

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