China plant eine schleichende Yuan-Aufwertung
Politisches Ventil

Die US-Anleihemärkte haben auf die Lösung der Anbindung des Yuans an den Dollar bislang kaum reagiert. Denn nicht nur ist die Yuan-Aufwertung um 2,1 Prozent minimal, sondern die chinesische Regierung machte auch klar, dass sie nur den festen Dollarkurs, nicht jedoch ihre engen Devisenkontrollen aufgibt.

HB PORTLAND. Darüber hinaus ließ sie im Dunkeln, aus welchen Währungen der Korb besteht, nach dem sich künftig der Kurs des Yuans richten soll und welche Bedeutung die Schwankungsmarge von 0,3 Prozent hat. US-Schatzpapiere gaben am Montag weiter nach, aber der Grund, sagt der Handel, waren in erster Linie Befürchtungen, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal kräftiger als erwartet gewachsen ist und die Notenbank damit ihre Zinsschraube stärker anziehen könnte.

Dabei ist die Lockerung der Wechselkursbindung das Ende einer wunderbaren Freundschaft mit potenziell gravierenden Folgen. Die Regierung in Peking entzog sich mit der Dollar-Bindung der asiatischen Finanzkrise in den 90er-Jahren. Sie förderte mit dem billigen Yuan Industrialisierung und wirtschaftliches Wachstum durch den Aufbau massiver Handelsüberschüsse – allein mit den USA im vergangenen Jahr von 162 Mrd. Dollar – und sicherte sich damit ihre Macht. Ihre expandierenden Währungsreserven investierte China, wie andere asiatische Regierungen auch, überwiegend in US-Schatzpapiere, um den Dollar zu stützen.

Für die USA hatte das viele Vorteile. Washington konnte massive Haushalts- und Zahlungsbilanzdefizite ohne steigende Zinsen finanzieren. Niedrige Zinsen förderten einen Wohnungsbau- und Konsumboom, und billige Güter aus China suggerierten steigenden Lebensstandard trotz stagnierender Löhne. Die Produktion in China und der Bezug von billigen Lieferungen aus China schließlich brachte vielen US-Unternehmen steigende Gewinne. Aber andere hatten gegen konkurrenzlos billige chinesische Produkte keine Chance. Das sorgte zusammen mit der Verlagerung von US-Arbeitsplätzen nach China für politischen Druck in Washington.

Die Mini-Aufwertung ist der Versuch, für diesen Druck ein Ventil zu öffnen. Beide Seiten haben kein Interesse an einer massiven Yuan-Aufwertung, die notwendig wäre, um die Handelsströme ins Gleichgewicht zu bringen. Aber auch der längste Weg beginnt bekanntlich mit einem kleinen Schritt, und die chinesischen Behörden planen eine weiter schleichende Aufwertung des Yuans, um der Wirtschaft Zeit zur Anpassung zu geben. Kurzfristig, so sagte das chinesische Zentralbankmitglied Yu Yongding der Agentur Reuters, rechne man mit steigendem Aufwertungsdruck.

Für die USA ist die Abkoppelung des Yuans vom Dollar ein Spiel mit dem Feuer. Das Land muss werktäglich fast drei Mrd. Dollar Kapital aus dem Ausland importieren, um Haushalts- und Zahlungsbilanzdefizite zu finanzieren. Die größten Käufer waren bislang die Zentralbanken asiatischer Länder mit hohen Exportüberschüssen. Die Währungsexperten von Dresdner Kleinwort Wasserstein konstatieren, dass in den vergangenen vier Monaten der Appetit in Asien auf US-Schatzanleihen bereits deutlich abgenommen hat. Privates Kapital wird die Lücke nur zu höheren Zinsen und Risikoprämien füllen. Die Milliarden an Auslandsgewinnen, die US-Firmen in Übersee geparkt haben und jetzt im Rahmen einer temporären Steuersenkung zurückführen, könnten einen mildernden Effekt haben.

Die Yuan-Aufwertung verändert weder die gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeit beider Länder, noch beeinträchtigt sie fühlbar die Kostenvorteile der Chinesen. Aber psychologisch ist es eine Einladung an die Devisen- und Bondmärkte, das Stehvermögen der Notenbanken zu testen. Gegenüber dem Yuan und anderen asiatischen Währungen ist der Dollar in einer deutlich schwächeren Position. Er wird zusammen mit den Kursen von Schatzanleihen sinken, fürchten Experten, und die Zinsen werden steigen müssen. Die Frage ist nur, wie schnell und wie weit.

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