China steckt rund um den Globus seine Claims ab
Der Rohstoff-Poker

Die USA und China sind in aller Welt auf der Suche nach Rohstoffquellen. Wer mehr Claims absteckt, gewinnt den wirtschaftlichen Wettlauf.

Gut gegen Börse: Im 007-Klassiker „Sag niemals nie“ fordert Finsterling Largo seinen Gegner James Bond zum Duell. Klaus Maria Brandauer und Sean Connery kämpfen an einer Spielkonsole um die Weltherrschaft. Im Kinosessel fühlen sich erfahrene Börsianer an die aktuelle Kapitalmarktlage erinnert. In der Realität von heute passen die Kontrahenten zwar nicht ins Raster von Gut und Börse. Aber es geht auch ums Überleben. Die Weltmacht des 20. Jahrhunderts steht gegen jene des 21. Jahrhunderts: Die USA und China stecken ihre Claims ab. Gewinner ist, wer sich den besten Zugriff auf die Rohstoffreserven sichert.

Ein weltumspannendes Rennen um das Lebenselixier aller modernen Wirtschaften hat eingesetzt. Es geht um Energie und Industriemetalle. Die Amerikaner sind verwundbar, weil extrem abhängig von Energieimporten insbesondere aus dem Nahen Osten. Nun beanspruchen 1,3 Milliarden Chinesen mit ihrer rasant wachsenden Ökonomie einen immer größeren Teil der internationalen Rohstoffreserven. Die Nachfrage steigt, aber das Angebot kann kaum mithalten. Die Lage beim wichtigsten Energierohstoff Öl ist besonders prekär. Aus dieser Sicht ist die Hausse der Rohstoffpreise nur folgerichtig.

Die geopolitische Dimension des Rohstoff-Pokers ist nur wenigen Experten bewusst. Insbesondere die Chinesen suchen auf wirtschaftlicher, kultureller und wissenschaftlicher Ebene, ihren Einfluss zu sichern. Sie sind stark in ihren Nachbarländern engagiert, etwa in der Mongolei, den zentralasiatischen Staaten, aber auch in vielen Ländern Afrikas und Südamerikas. Ein Beispiel von vielen: China baut in Pakistan mit Milliardenaufwand einen Tiefseehafen, setzt dafür sogar 450 eigene Ingenieure ein. Dieser Hafen hat große strategische Bedeutung, weil China fast zwei Drittel seiner Ölimporte aus dem Nahen Osten bezieht.

Noch komplizierte wird es, weil sich mehr als zwei Parteien am geopolitischen Spiel beteiligen. Außer den genannten bringen sich auch die frühere Supermacht Russland und das zweitwichtigste Schwellenland Indien in Stellung. Dazu ein Beispiel aus dem Iran: Die Inder unterzeichneten einen viele Milliarden Dollar schweren Deal zur Gaslieferung und Entwicklung dreier Ölfelder. Kein Wunder, dass die Strategen im Pentagon unruhig werden. Zu den aufmerksamen Beobachtern zählt Anlageguru Marc Faber. Dem gebürtigen Schweizer „fällt es schwer zu glauben, wie unter diesen Bedingungen die politischen Spannungen nicht zunehmen sollten“. Er geht noch weiter: „Die meisten Kriege haben begonnen, weil ein Land um den Rohstoffzugriff fürchtete.“

Grundsätzlich dürften zunehmende politische Spannungen mit der Gefahr von Lieferengpässen die Rohstoffpreise sprunghaft nach oben bringen. An Krisenherden in strategisch wichtiger Lage ist wahrlich kein Mangel: Irak, Iran, die gesamte Golfregion mit Saudi-Arabien, die zentralasiatischen Länder wie Kirgisistan und Tadschikistan, der Nahe Osten, dazu das schwelende Korea-Problem, die belasteten Beziehungen zwischen Indien und Pakistan sowie China und Taiwan.

Einen Vorgeschmack auf die künftigen Verknappungen gaben die Analysten von Goldman Sachs. Sie machten mit ihrer Ölpreisschätzung von 105 Dollar je Barrel Schlagzeilen. Eine Verdopplung des Preises bei einem Angebotsschock, etwa Produktionsausfällen in Saudi-Arabien, ist also durchaus möglich – auch wenn die Goldmänner das nur als kurzfristigen „Ausreißer“ auf der Rechnung haben.

Die Welt ist auf dem Weg in eine neue Ordnung. Im 007-Streifen war der Sieg des Guten Teil des Drehbuchs. Der Gewinner im realen Kampf um Rohstoffe kann zwar noch nicht gekürt werden. Aber es gibt jemanden, der die Bond-Lizenz übernehmen kann, allerdings jene zum Geld verdienen: der Rohstoff-Anleger.

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