Citigroup dürfte zulegen, wenn die Skandal-Serie endet
Image-Gewinne

Ganz tief verbeugte sich Charles „Chuck“ Prince vor anderthalb Wochen in Tokio. Mit dem rituellen Akt entschuldigte sich der Chef der US-Großbank Citigroup persönlich bei den japanischen Behörden für die Fehltritte seines Hauses.

NEW YORK. Jahrelange Geldwäsche und Falschberatung werfen Japans Ordnungshüter der nach Börsenwert weltgrößten Bank vor. Zur Strafe erzwangen sie die Schließung der dortigen Citigroup-Privatbank. Die aggressive Firmenkultur der Gewinnmaximierung um fast jeden Preis hat Citigroup zu einem Finanzkoloss mit einem Börsenwert von 230 Mrd. Dollar gemacht. Doch das damit verbundene Ausreizen ethischer Grenzen belastet heute nicht nur das Geschäft der New Yorker Großbank, sondern auch den Aktienkurs.

Seit Chuck Prince vor gut einem Jahr als Vorstandschef antrat, fiel die Citigroup-Aktie gegen den Markttrend. Zwar legt Prince regelmäßig glänzende operative Zahlen vor. Doch sein Versprechen, die Bank aus den Schlagzeilen zu bringen, hat er bislang nicht erfüllt. Stattdessen musste Prince inzwischen fast zehn Milliarden Dollar zurücklegen, um Prozessrisiken aus zahllosen Skandalen abzudecken. Vom italienischen Nahrungsmittelriesen Parmalat über den US-Telekomkonzern Worldcom bis zum texanischen Energiehändler Enron – in fast jeden Skandal war Citigroup verwickelt.

Für risikobereite Anleger bietet die Aktie dennoch Chancen. Denn die meisten Analysten sind sich einig: Wenn es keine neuen Skandale gibt, dürfte die Aktie einen Sprung nach oben machen. Ein solch günstiges Chance-Risiko-Verhältnis bieten nur wenige Aktien.

Schnäppchenjäger schauen zudem auf die günstige Bewertung. So beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zehn – bezogen auf den erwarteten Ertrag im nächsten Jahr. Das liegt unter den KGV der US-Konkurrenten JP Morgan Chase (11,5) und Bank of America (11,1). In Sachen Profitabilität zählt Citigroup zur Weltspitze. Selbst nach milliardenschweren Rückstellungen, die den Gewinn belasten, erzielt die Bank dieses Jahr voraussichtlich eine Eigenkapitalrendite von 16,7 Prozent nach Steuern. Nächstes Jahr dürfte diese Kennziffer dann wieder über der Marke von 20 Prozent liegen.

Das alles wird derzeit überschattet vom Reputationsproblem. Die Reaktion auf den Japan-Skandal zeigt jedoch, dass Prince hart durchgreift, um das beschädigte Image seiner Bank zu reparieren. Seine Verbeugung bekräftigte Prince mit der Entlassung mehrerer Topmanager, die Verantwortung für das Fehlverhalten getragen hatten. Gehen musste sogar der Chef des weltweiten Auslandgsgeschäfts, Sir Deryck Maughan. Der Japan-Experte war wenige Wochen zuvor noch in einem Werbespot des japanischen Handelsbüros aufgetreten, der für Investitionen in Japan warb.

Doch der Rauswurf einiger Topmanager wird nicht reichen, um das offenbar bestehende Ethik-Defizit im Citigroup-Reich auszugleichen. Schließlich agiert der New Yorker Finanzriese in mehr als hundert Ländern. Und Citigroup-Chairman Sandy Weill, der Vorgänger von Prince, hat in dem Koloss über Jahrzehnte eine Kultur der aggressiven Profitmaximierung etabliert. Wer auf einen Wandel dieser Firmenkultur spekuliert, muss Geduld mitbringen. Das Warten wird bei Citigroup jedoch versüßt durch die vergleichsweise hohe Dividendenrendite von zuletzt 3,6 Prozent. Die Dividende könnte zudem im nächsten Jahr durchaus höher ausfallen.

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