Combots
Geschlossene Gesellschaft

Mutig, was das Management der Combots AG mit Sitz in Karlsruhe den Anlegern präsentiert: Ein Internetunternehmen mit einem rein virtuellen Produkt, das niemandem erkennbar Geld spart, dessen Teilfunktionen bereits von anderen Diensten abgedeckt werden und das die Nutzer in der Basisversion nicht einmal bezahlen müssen.

FRANKFURT. Das Produkt ist zwar schon seit einem Monat fertig, steht aber bisher nur ausgewählten Nutzern offen. Beim Test in der Handelsblatt-Redaktion gelang es der Combots-Software nicht, zum Netzwerkrechner des Unternehmens Kontakt aufzunehmen. Zuhause klappte die Installation zwar, aber seitdem schwebt ein handtellergroßer Kreis in I-Pod-Gestaltung mit animierten Symbolen auf dem Windows-Desktop. Offenbar lassen sich durch Klicken auf die Symbole Dateien tauschen, Nachrichten verschicken und Sprechverbindungen aufbauen. Der erste Eindruck der Computernutzers ist jedoch, dass sich da eine Anwendung auf dem Desktop breit macht und die Programmsymbole stört.

Die Internet-Gemeinde diskutiert engagiert über solche Vor- und Nachteile. Der Aktienkurs hängt jedoch nur zu einem kleinen Teil von technischen Details ab. Der Kurs des Combots-Papiers folgt der Aktie des Zugangsanbieters United Internet, weil das Vermögen von mehreren hundert Millionen Euro, über das Combots verfügt, zum großen Teil aus Aktien von United Internet besteht.

Kursverluste von United Internet im Mai machte Combots zeitgleich mit. Im Juli kurz vor der Erstpräsentation des Produkts riss der Kurs kurz nach oben aus; danach schmiegte er sich wieder an United Internet an.

So auch am Freitag, als der Kurs des Zugangsanbieters wegen guter Zahlen steil anstieg und am Nachmittag wegen Gewinnmitnahmen nachgab – der Combots-Wert folgte beiden Bewegungen der großen Schwester im TecDax. Die traute Nachbarschaft im Index könnte bald vorbei sein. Combots droht mangels Umsätzen und Marktkapitalisierung der Rausschmiss. Keine Katastrophe für den Wert – aber dem ursprünglich guten Ruf würde es weiter schaden.

Combots ist 2005 aus dem E-Mail-Anbieter Web.de hervorgegangen, nachdem dieser sein Kerngeschäft an United Internet verkauft hat – daher auch die vollen Kassen. Web.de-Gründer Michael Greve, der es nicht mehr nötig hätte zu arbeiten, glaubte fest an die Idee eines unkomplizierten Nachrichtendienstes. Sein Unternehmen, inzwischen in Combots umbenannt, investierte etwa 30 Millionen Euro in die Entwicklung. Er selbst hält 55 Prozent der Aktien und vergleicht sein Produkt wahlweise mit Google und E-Bay.

Greve erwähnt jedoch nicht, dass für jeden dieser Stars ein Dutzend hoffnungsfroher Bewerber im Graben liegen geblieben ist. Der US-Konkurrent Skype perfektioniert heute bereits eine vergleichbare Internetanwendung. Combots pflegt noch das Gebaren eines exklusiven Klubs.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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