Contra Asien-Börsen: Nur Zocker reiten den Drachen

Contra Asien-Börsen
Nur Zocker reiten den Drachen

Es bestreitet keiner, dass China in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine wichtigere Rolle spielen wird. China wird die Zukunft der Welt mitgestalten. Aber im Hier und Jetzt spricht einiges gegen den Markt. Er ist heiß gelaufen. Die Zentralbank hat Unmengen an billigen Krediten unter das Volk gebracht hat.

FRANKFURT. China wird überschätzt. Die Chancen stehen in keinem Verhältnis zu den gewaltigen Risiken. Wer sein Geld unbedingt dort anlegen will, bitteschön. Er darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn er beim Blick auf den Depotauszug eines Tages lauter rote Zahlen sieht.

Bevor jetzt die üblichen Lobeshymnen auf Wachstum, billige Arbeitskräfte und den riesigen Absatzmarkt angestimmt werden: die sind mir bekannt. Es bestreitet ja auch keiner, dass China in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine wichtigere Rolle spielen wird. China wird die Zukunft der Welt mitgestalten. Aber im Hier und Jetzt spricht einiges gegen den Markt. Er ist heiß gelaufen. Die Zentralbank hat Unmengen an billigen Krediten unter das Volk gebracht hat. Das Geld ist in spekulative Geschäfte geflossen. Diese Blase platzt, sobald klar wird, dass die schwindelerregenden Bewertungen von Aktien und Immobilien durch nichts gedeckt sind. Dass die chinesische Regierung die Banken vor kurzem angewiesen hat, bei der Kreditvergabe restriktiver zu sein, zeigt, wie ernst die Lage ist.

Der Staat mischt sich in die Unternehmenspolitik ein

Hinzu kommt, dass der Aktienmarkt nicht frei ist. Der Staat mischt sich als Mehrheitseigentümer in die Unternehmenspolitik ein. Bislang bestimmt die Regierung auch, welches Unternehmen an die Börse darf und welches nicht. Genauso kann sie ein Staatsunternehmen auch wieder von der Börse nehmen. Ob die Anleger in einem solchen Fall mit einer großzügigen Abfindung entschädigt werden, ist fraglich. Wer garantiert, was aus dem Geld wird, dass man in einen chinesischen Staatsbetrieb investiert hat? Aus der Ferne ist ohnehin kaum zu durchschauen, was die Firmen wirklich können und wie viel sie wert sind.

Wer unbedingt auf die Karte China setzen will, sollte den nächsten größeren Rückschlag abwarten und dann nur mit Geld einsteigen, das er entbehren kann. Eine andere Strategie wäre, auf Unternehmen aus dem Westen zu setzen, die in China stark vertreten sind.

Zum Schluss sei eine Frage erlaubt, die in der Geldbranche eher selten gestellt wird. Will ich durch mein Geld einen Staat unterstützen, in dem Menschenrechte nichts zählen und Dissidenten für ein falsches Wort ins Gefängnis wandern? Die Antwort muss jeder mit sich selbst ausmachen. Doch egal wie sie ausfällt - auch im eigenen Interesse sollten sich Anleger überlegen, wie es wohl um Rechtssicherheit und Transparenz in einem von kommunistischen Kadern geführten Staat bestellt ist. Die Volksrepublik hat noch viele Aufgaben zu erledigen, bevor Anleger dort ruhigen Gewissens ihr Vermögen hinschaffen können.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%