Das britische Pfund lässt gegenüber dem Dollar nach
Das Ende der Stärke

Vieles, was auf volkswirtschaftlicher Ebene in Großbritannien geschieht, hängt auf irgendeiner Weise mit den Hauspreisen des Landes zusammen. Der märchenhafte Boom der Immobilien bewahrt die traditionell in Häuser investierten Briten vor der in Europa grassierenden Wirtschaftsschwäche.

Mit zunehmender Dauer bestimmt jedoch mittlerweile die Angst vor einem plötzlichen Kollaps und seinen Folgen die öffentliche Diskussion und das Handeln.

So versucht die Bank von England seit November vergangenen Jahres, mit Zinserhöhungen die jahrelange Euphorie am Immobilienmarkt einzudämmen. In den vergangenen Wochen nun sorgten die ersten Anzeichen, dass den Währungshütern ihr Vorhaben gelingt, für einen Absturz des britischen Pfundes im Verhältnis zum Dollar.

Um mehr als viereinhalb Prozent fiel die britische Währung innerhalb weniger Wochen im Vergleich zur amerikanischen. Am Dienstag war der Sterling mit dem größten Tagesverlust seit Juni auf 1,788 Dollar abgesackt; gestern konnte sich die Währung wieder etwas erholen. Auch der Rentenvorsprung kurzfristiger britischer Staatsanleihen hat sich gegenüber den Hochständen von Anfang August zuletzt deutlich verringert.

Schuld daran waren unter anderem die Hauspreise. Zuletzt hatten gleich mehrere Studien suggeriert, dass der Anstieg der Immobilienwerte allmählich nachlässt. Denn die aufgrund steigender Zinsen teureren Kredite haben die Nachfrage der Verbraucher verlangsamt. Dieser Trend wiederum verringerte die Aussicht auf deutlich weiter steigenden Zinsen in Großbritannien.

Und weil man in den nächsten Monaten in den USA wegen der dortigen guten Wirtschaftsentwicklung tendenziell eher Zinserhöhungen erwartet, dürfte sich in den nächsten Monaten die bislang für das Pfund attraktive Zinsdifferenz von 3,25 Prozent verringern, was Anlagen in US-Dollar wieder interessanter macht.

Auch der nach wie vor deutlich unter dem nominellen Inflationsziel liegende Preisanstieg in Großbritannien trägt mit dazu bei, dass sich die Erwartungen in der Londoner City zuletzt relativ schnell verändert haben. Anders gesagt: Das Pfund hat die seit Jahren von Investoren wegen der vermeintlich größeren Attraktivität gezahlte Prämie derzeit nicht mehr verdient.

Auch gegenüber dem Euro könnte das zu einer Abschwächung des Pfundes führen. Zwar zeigt sich das Wachstum der Wirtschaft in dem Gemeinschaftsraum keineswegs als so groß, dass eine Aufwertung gerechtfertigt wäre. Bislang sehen die Analysten deshalb die Wechselkurse auf mittlere Sicht in einem Band zwischen 0,665 und 0,685 Pfund je Euro – gestern notierte der Euro ungefähr in der goldenen Mitte davon. Die Gemeinschaftswährung könnte jedoch ebenfalls unmittelbar von der Schwäche des Pfundes gegenüber dem Dollar profitieren.

Bis dahin ist es jedoch noch etwas hin. Derzeit geht die Mehrzahl der Beobachter in der City davon aus, dass die Zentralbank den Leitzins in Großbritannien in den nächsten drei Monaten wenigstens noch einmal von seinem momentanen Niveau von 4,75 Prozent aus anhebt. Die Entwicklung der Zinsfutures in London suggerierte zuletzt, dass der Höhepunkt im kommenden Jahr bei 5,25 Prozent erreicht werden dürfte.

Vereinzelt – wie beim Beratungsinstitut Capital Economics oder der Deutschen Bank – fragt man sich nun schon, wann die Bank von England die Zins-Zügel wieder lockert. Denn sollten die Hauspreise dereinst wieder nachgeben, müssen die Währungshüter verhindern, dass die sich ärmer fühlende Verbraucher in einen Konsumstreik treten. Zwar dürfte ein solches Szenario nicht innerhalb der nächsten zwölf Monate anstehen. Doch auch das deutet keineswegs auf eine neue Phase der Stärke des britischen Pfundes hin.

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