Das Finanzgebaren Parmalats lässt Schlimmes ahnen
Enron ante portas

Mit großer Erleichterung haben die Finanzmärkte gestern auf den Führungswechsel beim italienischen Milchriesen Parmalat reagiert. Die Aktien stiegen um rund ein Drittel; die Anleihen legten ebenfalls zweistellig zu. So stieg der 2006 fällige Parmalat Finance Bond im Volumen von 650 Millionen Euro zeitweise um 13 Prozent und notierte bei 64 Prozent seines Nennwertes.

HB MAILAND. Keine Frage: Die Ernennung des angesehenen Unternehmenssanierers Enrico Bondi als Präsident und Vorstandschef ist eine gute Nachricht. Ebenso wichtig für die Wiederherstellung des Vertrauens dürfte sein, dass sich gleichzeitig die Gründerfamilie auf Druck der Hausbanken aus nahezu allen Führungspositionen zurückgezogen hat. Sowohl der Hausherr Callisto Tanzi als auch sein Bruder Giovanni haben ihre Posten im Verwaltungsrat geräumt. Lediglich der Sohn Stefano bleibt als Repräsentant des 51-prozentigen Kontrollaktionärs im Verwaltungsrat. Damit ist der Weg zu einer effektiven Sanierung geebnet.

Dennoch sollten sich die Anleger nicht zu früh freuen. Parmalat könnte sich angesichts einer byzantinischen Schachtelstruktur und milliardenschwerer Verpflichtungen, die nicht in der Bilanz auftauchen, als eine italienische Version des Enron- Skandals entpuppen. Die komplexe Finanzstruktur, die von der Familie Tanzi mit Hilfe ihres Vertrauten Fausto Tonna im Laufe der letzten zehn Jahre aufgebaut hat, lässt jedenfalls das Schlimmste befürchten. Vereinfacht gesprochen hat sich Parmalat nicht verhalten wie ein Industrieunternehmen, sondern wie ein spekulativer Anleger. Der Konzern hat Anleihen im Volumen von über sieben Milliarden Euro emittiert. Doch anstatt das Geld für Investitionen im Kerngeschäft zu nutzen, hat Parmalat die Mittel in Steuerparadiese transferiert. Dort hat der Milchkonzern auf gut deutsch gezockt. Beispielsweise hat Parmalat knapp 500 Millionen Euro in einen völlig unbekannten und möglicherweise unseriösen Hedge-Fund namens Epicurum mit Sitz auf den Cayman-Inseln gesteckt.

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