Das Ölkartell nimmt Ungleichgewichte offenbar bewusst in Kauf – Kurzfristige Preisinteressen stehen im Vordergrund
Opec verwirrt die internationalen Energiemärkte

Die Mitglieder der im September 1960 gegründeten Organization of the Petroleum Exporting Countries (Opec) verwirren zurzeit durch widersprüchliche Angebotssignale die Weltölmärkte.

DÜSSELDORF. Ende vergangenen Jahres hieß es zunächst, man werde von einer Drosselung der Ölproduktion absehen, wenn die Erdölpreise hoch blieben. Beim Ölministertreffen des Kartells Anfang Februar wurde dann überraschend eine beträchtliche Verringerung der Ölförderquote für das zweite Quartal 2004 angekündigt. Nun wollen die zehn Kartellmitglieder – das elfte Mitglied Irak ist bisher von Quotenfesseln befreit – ihr bislang gültiges Angebotslimit von 24,5 Mill. Barrel pro Tag wieder nach oben auflockern. Viele Experten, die die Opec in den zurückliegenden Jahren als erwachsenen und stabilen Partner gepriesen haben, müssen jetzt feststellen, dass die Kartellmitglieder kaum noch kalkulierbar sind.

Viele Rätsel geben insbesondere die Zielsetzungen im Kartelllager auf. Während das mit Abstand wichtigste Opec-Mitglied Saudi-Arabien seit Mitte der 80-er Jahre auf moderate Preise und die Rückeroberung verloren gegangener Marktanteile drängte, zeigen sich die Machthaber in Riad heute höchst ambivalent. Die Saudis peilten lange innerhalb des offiziell von der Opec angepeilten Preiskorridors von 22 bis 28 Dollar je Barrel (159 Liter) die 25-Dollarmarke als gewünschtes Erlösziel an. Nach der starken Abwertung des US-Dollars wird jetzt die Obergrenze von 28 Dollar als Orientierungsgröße offenkundig akzeptiert. Es gibt in Riad aber sogar Stimmen, die Venezuelas Forderungen unterstützen, das offizielle Preisband auf 30 bis 32 Dollar zu erhöhen. Für Aufregung sorgte jüngst nicht zuletzt der Saudische Ölminister, als er eine restriktive Ölförderpolitik der Opec deshalb empfahl, um die Mineralölbestände in den Verbraucherländern möglichst niedrig zu halten.

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