Den Aktienkursen droht der Fall ins Sommerloch
Zeit für den Ausstieg

DÜSSELDORF. Der US-Leitindex Dow Jones und der Deutsche Aktienindex (Dax) verhalten sich seit Anfang 2004 wie Pat und Patterchen. Steigt Pat, klettert ihm Patterchen nach. Fällt Pat, stürzt sich Patterchen hinterher. Per Saldo haben die Aktienbarometer zwar kaum verloren, aber eben auch nichts gewonnen. Pat und Patterchen erscheinen kraftlos und orientierungslos.

Anstatt sich an die Lahmenden zu klammern, sollten Anleger loslassen und nach der Rally des vergangenen Jahres Kasse machen. „Sell in May and go away“ heißt die Devise. Vieles spricht dafür, dass sich die alte Börsenweisheit als guter Rat erweist und die Kurse fallen werden. So waren an der Börse die Monate Mai bis August im Schnitt der vergangenen 20 Jahre die schlechtesten. Neun Mal schloss der Dax diesen Zeitraum mit Verlust ab. Damit ging ihm im Sommer öfter die Luft aus als in der kühleren Jahreszeit.

Für eine Fortsetzung dieses Trends spricht, dass selbst Großinvestoren, die meist unverdrossen den Aufschwung propagieren, kaum noch Aktien zukaufen. Die Handelsvolumina beim Dow Jones machen zusätzlich misstrauisch. Obwohl die Kurse 2003 deutlich zulegten, fielen die Umsätze im Vergleich zu den verlustreichen Vorjahren. Das bedeutet, dass institutionelle Investoren die Rally nutzten, um Aktien loszuwerden. Dazu kommt, dass die Aktienverkäufe durch Vorstände und Aufsichtsräte in den vergangenen zwölf Monaten deren Käufe so deutlich übertrafen wie nie zuvor. Das Geld der Insider, das so genannte Smart Money, flüchtet in Sicherheit.

Dabei übertreffen die Unternehmen mit ihren Quartalszahlen die Analystenschätzungen und verkünden optimistische Prognosen. Die hohen Erwartungen spiegeln sich jedoch längst in den Kursen. Vor allem US-Aktien gelten als teuer. Bremsend wirkt zudem, dass die Steigerungsraten der Firmengewinne in den nächsten Quartalen abnehmen werden.

Da die bisherigen Ergebnisverbesserungen vor allem auf Kostensenkungen basieren, wären nun höhere Verbraucherausgaben der Treibstoff für weiter steigende Börsen. Doch die sind außer Sicht, weil die Steuergeschenke in den USA im Sommer auslaufen und auch die Rekordverschuldung der US-Bürger nicht ewig ausdehnbar ist. In Deutschland ist von den Konsumenten ohnehin wenig zu erwarten.

Zwar argumentieren Börsenoptimisten, dass es aktuell zu Aktien kaum lohnende Alternativen gebe und die hohe Liquidität die Märkte treibe. Da die US-Notenbank wegen der Überspitzungserscheinungen ihrer Volkswirtschaft die Zinsen wohl noch 2004 erhöhen wird, verpuffen aber auch diese Argumente.

Für fallende Kurse spricht nicht zuletzt die Charttechnik: Seit einiger Zeit stoßen sich Pat und Patterchen vergeblich an harten Widerstandslinien. Mit jedem Versuch, sie zu überwinden schwindet ihre Kraft. Sie drohen benommen zu Boden zu gehen. Anleger sollten daher ihre Aktien verkaufen, ehe sie mit ihnen ins Sommerloch fallen.

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