Der Abendhandel stößt auf wenig Interesse
Holpriger Start

Nur selten standen an einem gewöhnlichen Handelstag die Börsenaktivitäten des Vortages so sehr im Blickpunkt wie am Dienstag. Auslöser war der von 20 Uhr auf 17.30 Uhr verkürzte Handel an der Computerbörse Xetra. Weil das Parkett und auch die Regionalbörsen weiterhin erst um 20 Uhr Schluss machen, wollte natürlich jeder sehen, ob sich dort was bewegte. Die Konsequenz ist auf den ersten Blick ernüchternd.

FRANKFURT/M. 0,00 % betrug am Montag die Differenz zwischen dem Xetra-Schlusskurs des Deutschen Aktienindex (Dax) um 17.30 Uhr und dem Schlusskurs des neu eingeführten L-Dax. 0,00 % waren es übrigens auch im TecDax, 0,01 % verlor immerhin der L-MDax gegenüber dem Xetra-MDax und bei 0,03 % lag gar das Minus im SDax.

Doch ist es wirklich so traurig, wie die Bilanz bei erstem Hinsehen anmutet? Leider ja. An Indikatoren, die für Bewegung hätten sorgen können, fehlte es zum Start am Montag nämlich nicht. Bestes Beispiel dafür waren die Automobilwerte. Sehr gute US-Absatzzahlen für Oktober, die nach 17.30 Uhr vorgelegt wurden, hätten eigentlich deren Kurse noch beflügeln können. Immerhin schafften BMW in den USA ein Absatzplus von 17 % gegenüber dem Oktober 2002. Doch deren Kurs verharrte bis 20 Uhr ebenso auf der Stelle wie der von Daimler Chrysler und VW. Alle drei profitierten erst gestern mit Beginn des Xetra-Handels davon. Auf den Parketthandel als geeignetes Mittel, um gerade auf aktuelle Entwicklungen aus den USA noch möglichst schnell reagieren zu können, wollte anscheinend zum Start nur ein geringer Teil der Anlegerschaft zurückgreifen. Gleiches Bild übrigens auch bei den Technologiewerten: Zeigte sich die Nasdaq auch nach 17.30 Uhr hiesiger Zeit noch sehr fest, so konnte dies den TecDax nicht mehr bewegen.

Wesentlich weniger verwundert es hingegen, dass es bei den Small- und Midcaps am Abend noch zu leichten Veränderungen kam. Das liegt zum einen daran, dass wegen des höheren Beratungsbedarfs bei diesen Werten bisher schon prozentual mehr über das Parkett lief als bei den Blue Chips. Zur Erinnerung: Bei den Dax-Werten war die Aufteilung der Volumina zwischen Xetra- und den Parketthandel bisher teilweise 99:1, bei SDax-Werten im Schnitt 55:45. Zudem genügen auch wesentlich geringere Volumina, um die Kurse zu bewegen.

Als Fehlschlag auf der ganzen Linie ist das Experiment Abendhandel auf dem Parkett und bei den Regionalbörsen indes (noch) nicht zu bezeichnen. Nach Agenturmeldungen wurden am Montag über 10 % des Tagesumsatzes zwischen 17.30 Uhr und 20 Uhr auf dem Parkett erzielt. Bisher waren es im Schnitt 7 %. An der größten deutschen Regionalbörse in Stuttgart waren es sogar 26 % statt der sonst üblichen 10 % in dieser Zeit. Und auch alle anderen Regionalbörsen verzeichneten ein höheres Volumen als sonst. Allerdings darf in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden, dass sich Dax & Co. in den vergangenen Tagen auf neue Jahreshöchststände hochschaukelten. Das Interesse der Anleger ist an solchen Tagen sowieso sehr hoch.

Das könnte noch bis zum Monatsende so bleiben, wenn börsentäglich interessante Quartalszahlen und Unternehmensmeldungen anstehen. Spannend dürfte anschließend aber die Frage sein, wie es dem Abendhandel ergeht, wenn wie gewöhnlich im Dezember interessanten Meldungen Mangelware sind und auch von der Wall Street nur wenig Neues zu erwarten ist. Tatsache ist, dass die Makler auf dem Parkett ein Mehrfaches an Umsätzen nötig hätten, um die Kosten zu decken, die der Handel zwischen 17.30 Uhr und 20 Uhr verursacht. Im April 2004 will man darüber beraten, ob dort der Abendhandel noch lohnt.

Im Kursteil des Handelsblatts (Zeitung) finden sie die neuen L-Indizes übrigens unter Indizes Märkte Europa.

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