Der interessante Vergleich mit den 70er Jahren
Das Goldfieber steigt

Die Welt ist viel zu hässlich, als dass Gold wirklich schwach werden könnte!“ Mit diesen und ähnlichen Thesen versuchen Gold-Fanatiker das Interesse der Finanzwelt auf das edle Metall zu lenken.

FRANKFURT/M. Tatsächlich ist dies in den vergangenen vier Jahren auch gelungen, als der Goldpreis in US-Dollar gerechnet um mehr als 70 Prozent in die Höhe schoss. Einige Auguren stellen angesichts des neuen Gold-Glanzes den Vergleich mit den 70er Jahren an. Ein solcher Vergleich hinkt jedoch. Weder die makroökonomischen Fundamentaldaten, noch die markttechnische Seite des Goldmarktes lassen einen Vergleich der Dekaden sinnvoll erscheinen.

Der Aufschwung des Goldpreises verläuft heute fast unbemerkt; er ist bei weitem nicht von jenen Fanfaren begleitet wie in den 70er Jahren. Nach dem Ende des Währungssystems von Bretton Woods und der Abschaffung des Goldstandards wurde US-Anlegern seinerzeit ab Dezember 1974 erstmals überhaupt der direkte Erwerb von Gold ermöglicht. Vor diesem Hintergrund wies der Preis des Goldes in den 70er Jahren mehr als eine Verzwanzigfachung auf. Er startete bei 35 Dollar und endete – in einer von starken Korrekturen geprägten beispiellosen Hausse – im Jahr 1980 bei 855 Dollar je Feinunze. Es folgte allerdings eine steile Talfahrt, die im Jahr 1999 bei etwa 250 Dollar endete.

Wenn Betrachter der Finanzmärkte heute bei einem Preisniveau von 400 Dollar von einem starken Goldpreis sprechen, so überzeichnen die Situation fast schon. Ein Zeichen hierfür ist auch,dass Gold für die meisten US-Anleger noch kein großes Thema zu sein scheint. Richtig ist zwar, dass sich der Preis des gelben Metall vom Doppeltief der Jahre 1999 und 2001 deutlich abgesetzt hat, doch kann von einer wirklich ausgeprägten Goldhausse noch längst nicht die Rede sein. Einige Auguren sehen die aktuelle Situation bestenfalls als erste Phase eines länger ausgeprägten Bullenmarktes.

Auch eine andere Betrachtung relativiert den Aufschwung am Goldmarkt. Wird die reale Wertentwicklung des gelben Metalls – also der um die Inflation der vergangenen 34 Jahre bereinigte absolute Wert – berücksichtigt, so hat sich Gold über diesen Zeitraum hinweg nicht gerade als attraktive Kapitalanlage erwiesen, die Anleger zu Begeisterungsstürmen hinreißen könnte. Daran ändert auch der Preisaufschwung der vergangenen drei Jahre insgesamt nur wenig. Dies gilt vor allem für Anleger in der Euro-Zone, die Währungsverluste im US-Dollar in ihr Anlageresultat einbeziehen müssen; in Euro betrachtet nimmt sich die jüngste Aufwärtsbewegung des Goldpreises wesentlich weniger spektakulär aus.

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