Der Jubel über die Euro-Stärke ist verfrüht – Amerikanischer Protektionismus an den Devisenmärkten: Anleger sollten ihre Scheu vor dem Dollar ablegen

Der Jubel über die Euro-Stärke ist verfrüht – Amerikanischer Protektionismus an den Devisenmärkten
Anleger sollten ihre Scheu vor dem Dollar ablegen

Euro oder Dollar? Bei dieser Frage lagen in den vergangenen drei Jahren jene Anleger richtig, die konsequent auf die europäische Einheitswährung gesetzt haben. Wohl kaum jemanden ist das tatsächliche Ausmaß der Veränderungen am Devisenmarkt wirklich bewusst.

FRANKFURT/M. Der Euro ist in der Relation zum Dollar seit Ende 2000 um 54 % gestiegen. Das heißt im Umkehrschluss: Wer als Anleger aus dem Euro-Raum Vermögenswerte in den USA hält, hat in drei Jahren die Hälfte seines Vermögens verloren. Amerikanische Besitzer von Euro-Vermögenswerten freuen sich indes über kräftige Wertzuwächse.

Nun sollte man meinen, hinter diesem rapiden und dramatischen Kurswechsel an den Devisenmärkten würden auf der einen Seite blühende ökonomische Landschaften in Europa und auf der anderen Seite eine desolate Volkswirtschaft in den USA stehen. Doch wohl jeder weiß, dass dem nicht so ist.

Auch wenn es Politiker gerne so darstellen - Europa hat weder aus ökonomischer, noch aus geopolitischer Sicht gegenüber den USA an Boden und an Bedeutung gewonnen. Im Gegenteil: Der Weg zur europäischen Einigung ist weiter mit zahlreichen Hindernissen gepflastert. Die notwendigen Strukturreformen kommen in fast allen EU-Ländern nur sehr schwierig voran. Und die Osterweiterung bringt für die nächsten Jahre weitere große Herausforderungen mit sich.

Der Jubel über den starken Euro ist also verfrüht. Wer – wie Politiker in Brüssel, Berlin und Paris – aus diesen Trends am Devisenmarkt den Schluss zieht, Europa sei endlich erwacht, der verkennt die Tatsachen und die wahren Gründe der Aufwertung des Euros. Denn in Wirklichkeit handelt es sich hierbei nicht um eine Euro-Stärke, sondern wohl eher um eine Dollar-Schwäche. Und zwar um eine Schwäche, die von den USA gewollt und bewusst gefördert wird. Das jüngste Bekenntnis von Finanzminister John Snow zu einem starken Dollar klang halbherzig und wenig überzeugend.

Im Sinne der USA

Klarer waren da schon die Worte von Notenbankchef Alan Greenspan. Er sei über die Schwäche des Dollars nicht sonderlich besorgt, hatte dieser den Markt wissen lassen. Im Klartext: Die US-Notenbank wird sich nicht gegen eine weitere Abwertung ihrer Währung stellen. Darüber hinaus ist zuletzt eines deutlich geworden: Die USA holen sich über die gezielte protektionistische Maßnahme der Dollarabwertung von den Europäern indirekt einen Teil der im Irak-Krieg angefallenen Kosten zurück.

Welche anlagestrategischen Schlüsse können Investoren aus diesen aktuellen Währungs-Trends ziehen? Die Vergangenheit hat gelehrt, dass großen Trendbrüchen am Devisenmarkt fast immer Überhitzungserscheinungen vorausgehen. Das ist im Verhältnis Euro/Dollar (noch) nicht erkennbar. Ein weiterer Anstieg des Euros auf 1,40 bis 1,45 $ würde daher nicht überraschen.

Das heißt jedoch auch: Nach dreijähriger Talfahrt wird das Kursrisiko im Dollar überschaubar. Aktuelle Meldungen zeigen, dass vor Investitionen stehende europäische Unternehmen wieder stärker auf die USA setzen. Dies verwundert nicht, lockt Washington doch mit einer wirtschaftsfreundlichen Politik. Zudem: Im Vergleich zu den Euro- Staaten sind die USA nach wie ein Steuerparadies. Auch Kapitalanleger sollten in den nächsten Monaten ihre Scheu vor dem Dollar ablegen.

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