Der Kursanstieg beim japanischen Autobauer dürfte bald zu Ende sein
Mitsubishis US-Geschäft wankt

Der Aktienkurs des japanischen Autoherstellers Mitsubishi ist in den vergangenen Wochen kräftig geklettert. Viele Anleger haben in der Hoffnung gekauft, dass sich die Sanierungsbemühungen des Großaktionärs Daimler-Chrysler endlich auszahlen.

NEW YORK. Der Stuttgarter Konzern hält 37,7 % der Anteile. Analysten sind allerdings weniger optimistisch: Sie warnen davor, dass die Asiaten im US-Geschäft vom Weg abkommen könnten.

Nicht nur die Performance auf dem Parkett war zuletzt bemerkenswert. Mitsubishi hatte auch seinen Gewinn im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr verdreifacht. In den vergangenen zwei Monaten haben die Aktien deshalb um 18 % zugelegt. Das war sogar etwas besser als der japanische Aktienindex Topix, der im selben Zeitraum nur um 15 % stieg.

Analysten gehen davon aus, dass die Rally nun zu Ende geht, weil die Geschäfte in Amerika einbrechen. Im ersten Halbjahr 2003 sank der Absatz in der Region um ein Fünftel. Die Schwäche in den USA trifft die Asiaten besonders hart, denn der größte Teil des Gewinns wird in Nordamerika eingefahren. Das schlechte Geschäft im größten Automarkt der Welt hat zwei Gründe: eine veraltete Modellpalette und drastische Einschnitte bei der Autofinanzierung für wenig kreditwürdige Kunden. Anfang des Jahres hatte Mitsubishi seine Regeln für die Kreditvergabe verschärft, weil durch die Wirtschaftskrise in den USA immer mehr Kunden ihre Raten nicht bezahlt haben. Riesige Abschreibungen waren die Folge.

Mitsubishi bekommt jetzt die Quittung für die neuen Regeln. Das ist für Analysten nicht überraschend, sind doch die Japaner das Finanzierungsgeschäft als einer der ersten Autobauer sehr aggressiv angegangen. Mitsubishi hat in den vergangenen Jahren versucht, sich in Amerika ein Image als Marke für die Jungen und Coolen aufzubauen. Analysten bezweifeln jetzt aber, dass es gelungen ist, dieses Bild in den Köpfen zu verankern. Wäre das gelungen, so die Argumentation, hätten die Verkäufe auch nach der Verschärfung der Kreditrichtlinien nicht so stark einbrechen dürfen.

„Wir sind bislang davon ausgegangen, dass Mitsubishi hip und jugendlich ist. Plötzlich hat sich dieses Image in Luft aufgelöst“, betont Christopher Richter, Analyst bei HSBC Securities in Japan. „Es sieht so aus, als hätten die Leute Mitsubishi nur wegen der günstigen Kredite gekauft.“ Der Autohersteller widerspricht. „Unsere Strategie, die Jüngeren anzusprechen, ist einzigartig“, sagt ein Mitsubishi-Sprecher. Er räumt zwar ein, dass vielleicht einige Dinge geändert werden müssten. „Ein Richtungswechsel kommt aber nicht in Frage.“ Mitsubishi geht vielmehr davon aus, dass es bereits im Herbst wieder aufwärts geht, wenn der neue Galant ausgeliefert wird. Die Hoffnung ist durchaus berechtigt. Im Juni kletterten die Verkäufe in den USA im Vergleich zum Vorjahr um 10 %.

Mitsubishi hat riesige Schritte vorwärts gemacht, seit Manager von Daimler-Chrysler vor zwei Jahren die Führung übernommen haben. Der Gewinn schnellte in die Höhe, und die Schulden gingen kräftig zurück. Im laufenden Geschäftsjahr will die Firma den Gewinn um 7 % steigern. Analysten sind dennoch zurückhaltend. „Der Markenname Mitsubishi reicht nicht aus, um die Wettbewerber zu schlagen“, warnt Kunihiko Shiohara, Autoexperte von Goldman Sachs in Tokio.

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