Der Laie staunt, und der Fachmann wundert sich
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Russische Regierungsvertreter mischen sich gerne in die Wirtschaft ein – Der Mobilfunkanbieter Vimpel-Com kann ein Lied davon singen.

MOSKAU. Die Aktie des russischen Mobilfunkanbieters Vimpel-Com hängt am Tropf der Politik. Hätte es noch eines Beweises bedurft, konnte man dies am Beispiel der jüngsten Kabinettsumbildung in Moskau fast schon bestaunen. Da fliegt der umstrittene Telekommunikationsminister Leonid Reiman aus der Regierung – und der Aktienkurs des von seiner Behörde attackierten zweitgrößten Mobilfunkers des Landes, Vimpel-Com, hebt ab auf ein neues Rekordhoch. Tags darauf kommt Reiman als Vizeminister und Chef der Telekom-Regulierungsagentur wieder an den Kabinettstisch, und die Aktie fällt: binnen Wochenfrist lösen sich 320 Millionen Dollar in Luft auf.

Der Laie staunt, und der Fachmann wundert sich noch mehr über die Erklärung, die Präsident Wladimir Putin für Reimans kostspieliges Comeback nachliefert: „Reiman wäre ansonsten in die Privatwirtschaft abgewandert. Aber unserer neuer Minister für Transport und Telekom, Igor Lewitin, ist ein neuer Mann, und wir können uns keine Fehler leisten. Lewitin ist ein Transport-Profi, aber er hat keine Ahnung von Telekommunikation.“

Bei den verwunderten Analysten rief das gleich die Frage hervor, was denn der Hinweis von Reimans geplantem Gang in die Privatwirtschaft solle. Schließlich habe er auch im Ministeramt ausschließlich im Interesse des drittgrößten Mobilfunkanbieters, Megafon, gehandelt, an dem er und Putins Ehefrau Ljudmila beteiligt sein sollen. Vorher waren Vimpel-Com immer mal wieder Lizenzen entzogen worden – und später fand der Megafon-Sprechverkehr dann auf den geräumten Frequenzen statt. Vor einigen Wochen hatte Reimans Behörde Vimpel-Com sogar die Lizenz für den lukrativsten Mobilfunkmarkt, Moskau, entziehen wollen.

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