Der Medienunternehmer Haim Saban hat kein Interesse daran, die freien Pro-Sieben-Aktionäre abzufinden
Angebot ohne Nachfrage

Für die Besitzer der Vorzugsaktien von Pro Sieben Sat 1 Media ist es derzeit nicht schwer, das Abfindungsangebot des neuen Pro-Sieben- Eigentümers Haim Saban in den Wind zu schießen. Der US-Medienunternehmer bietet noch bis zum 14. November sechs Euro pro Vorzugsaktie. Da das Papier an der Börse mehr als doppelt so hoch notiert, ist Sabans Angebot völlig unattraktiv.

FRANKFURT/M. Der neue Großaktionär hat auch gar kein Interesse daran, die freien Aktionäre abzufinden: Schließlich hat er im August bereits 72 Prozent der nicht börsennotierten Stammaktien der Senderfamilie und damit die Mehrheit der Stimmen vom Insolvenzverwalter der Kirch-Gruppe übernommen. Insgesamt hält Saban 36 Prozent des Grundkapitals. Damit liegt er über der Schwelle von 30 Prozent, ab der ein Abfindungsangebot in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben ist.

Tiefer als nötig will Saban für die Vorzugsaktien jedenfalls nicht in die Tasche greifen: Die gebotenen sechs Euro sind gerade mal der gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreis. Er errechnet sich aus dem Durchschnitt der Pro-Sieben-Kurse der drei Monate vor der Übernahme. Um die freien Aktionäre abzufinden, müsse Saban mindestens etwa 500 Millionen Euro auf den Tisch legen, hat Analystin Karina Gundermann von der Bankgesellschaft Berlin ausgerechnet. „Aber was will er damit, die Stimmenmehrheit hat er doch schon“, fügt sie hinzu. Hätte Saban wirkliches Interesse an den Vorzugsaktien gehabt – etwa weil er plane, die Börsenzulassung zu widerrufen – dann hätte er eine Prämie bezahlt, glaubt Analyst Ralf Marinoni von der Investmentbank Equinet. Auch eine mögliche Zusammenlegung von Stamm- und Vorzugsaktien gilt zur Zeit als unwahrscheinlich.

Für die Aktionäre hat sich das Engagement des US-Investors aber schon bezahlt gemacht: Seit Saban das Ruder übernommen hat, ist der Kurs gestiegen, hat sich seit Anfang August mehr als verdoppelt. Die Anleger erwarten, dass Saban den Medienkonzern auf Rendite trimmt. Zudem dürften die Werbeeinnahmen langsam wieder steigen.

Die positiven Nachrichten sind aber im Kurs enthalten. Es ist schon auffällig, dass alle Nachrichten zu Pro Sieben – vom Einstieg Sabans über sein Abfindungsangebot bis hin zu Überlegungen, den Vorstand der Fernsehgruppe zu halbieren – an der Börse mit Kursaufschlägen quittiert worden sind. Für Gundermann ist die Aktie aus fundamentaler Sicht überbewertet, Marinoni rät inzwischen zum Verkauf. Ernüchterung könnten die Geschäftszahlen des traditionell schwachen dritten Quartals Mitte November bringen. Belasten dürfte auch die bis Ende April 2004 vorgesehene Kapitalerhöhung um 280 Mill. Euro.

Die Aktionäre sollten sich überlegen, die Reißleine zu ziehen, wenn die Gewinne nicht mehr laufen – über die Börse können sie auch dann noch verkaufen, wenn die Frist für Sabans Angebot abgelaufen ist.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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